Nestlé stemmen sich gegen den schwachen Gesamtmarkt

Die Aktien von Nestlé reagieren am Mittwoch positiv aus das am Vorabend angekündigte milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm.
28.06.2017 10:02

Der Westschweizer Nahrungsmittelkonzern hat mit seinen Informationen zur zukünftigen strategischen Stossrichtung den Nerv der Investoren getroffen. Dass der Eindruck erweckt wird, Nestlé reagiere auf die Forderungen des US-Hedgefonds Third Point, ist gemäss Händlern eher unglücklich.

Kurz vor 10.00 Uhr liegt der Kurs bei knapp 1,2 Prozent im Plus bei 85,30 Franken. Das Allzeithoch bei 86 Franken bleibt jedoch noch ausser Reichweite. Das ist aber wohl vor allem dem allgemein schwachen Gesamtmarkt zuzuschreiben, der auf den jüngsten Wall-Street-Rutsch mit deutlichen Abgaben reagiert. Dank des stützenden Effekts des Indexschwergewichts büsst der Gesamtmarkt (SMI) aber lediglich 0,15 Prozent ein. "Nestlé gegen den Rest des Index", lautet der Tenor.

Denn allein der Rückkauf von Aktien im Gesamtwert von 20 Milliarden Franken in den nächsten drei Jahren dürfte den Gewinn pro Aktie bei Nestlé um rund 7 Prozent verdichten. Daraus leiteten Analysten vor dem Handelsstart eine zu erwartende positive Kursreaktion von rund 3 Prozent bis 5 Prozent ab. Und der Fokus auf wachstums- und margenstarke Bereiche werde die Profitabilität in den kommenden Jahren zusätzlich schärfen, so Analysten.

Analysten zeigen sich überrascht, was den Zeitpunkt der Bekanntgabe eines solch umfassenden Aktienrückkaufprogramms anbetrifft. Nach Ansicht der Deutschen Bank könnten die bekanntgegebenen Massnahmen als eine Reaktion auf den Einstieg des US-Hedgefonds Third Point fehlinterpretiert werden. "Das Timing vermittelt den Eindruck, dass das Management von einem aktivistischen Investor, der 1,3 Prozent des Unternehmens besitzt, eingeschüchtert wurde", schreibt auch Bernstein.

Doch eine Bewilligung der Schweizer Börse für einen Aktienrückkauf in dieser Grössenordnung ist nicht in nur 48 Stunden erhältlich, hält Barclays Capital in einem Kommentar fest. Zudem habe das Unternehmen in seiner Mitteilung hervorgehoben, die Überprüfung der Kapitalstruktur und Prioritäten des Unternehmens sei bereits Anfang 2017 initiiert worden.

Nestlé hatte also offenbar einfach wenig Glück mit dem Timing. Der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst etwa denkt, dass sich Nestlé die Ankündigung des Aktienrückkaufs lieber für die Publikation der kommenden Quartals-Zahlen von Ende Juli aufgespart hätte. Andere Analysten tippten gar auf den im September stattfindenden Investorentag in London.

Der neue CEO Mark Schneider hätte an der Veranstaltung wohl lieber erst seine Vision für Nestlé dargelegt, um dann erst mit den harten Tatsachen rauszurücken, denkt etwa Bernstein. Daher sei am diesjährigen Investorentag vom 26. September wohl nicht mehr mit grösseren Überraschungen zu rechnen. Neben zusätzlichen Kosteneinsparmassnahmen könnte sich Nestlé nun höchstens noch einem nicht sonderlich ambitionierten Margenziel verschreiben, heisst es hier.

Etwas zuversichtlicher zeigt sich die UBS. Nestlé habe ein starkes Signal an die Märkte ausgesandt mit der wichtigsten Botschaft: Da kommt noch mehr.

(SDA)