Neue Medikamente von Roche kompensieren für alte Blockbusters

Der Pharmakonzern Roche hat in den ersten neun Monaten dank drei neu lancierten Medikamenten sein Wachstumstempo halten können. Die Verkäufe langjähriger Blockbusters wie Tamiflu waren dagegen rückläufig.
19.10.2017 09:15

Insgesamt resultierte von Januar bis September ein Umsatz von 39,4 Milliarden Franken. Das Wachstum lag sowohl in Franken als auch zu konstanten Wechselkursen bei 5 Prozent, wie Roche am Donnerstag mitteilte. Die Hauptdivision Pharma sowie die Division Diagnostik wuchsen dabei gleich schnell.

Hauptwachstumsträger bei Pharma sind die neu eingeführten Medikamente Tecentriq, Ocrevus sowie Alecensa. Sie haben mit 900 Millionen Franken an zusätzlichem Umsatz mehr als die Hälfte des divisionalen Wachstums in den ersten drei Quartalen generiert.

"60 Prozent des Wachstums stammt von diesen Produkten", sagte Konzernchef Severin Schwan an einer Telefonkonferenz. Besonders zufrieden sei er mit Ocrevus zur Behandlung der Nervenerkrankung Multiple Sklerose. Es erzielte in den ersten neun Monaten 500 Millionen Franken Umsatz.

"Obwohl wir erst am Anfang stehen, gibt es in den US es bereits ausserordentlich viele Patienten, die Ocrevus beziehen", sagte Schwan weiter. Roche freue sich das Medikament Ende Jahr auch in Europa einzuführen.

Bei Tecentriq wiederum, das 355 Millionen Franken Umsatz erzielte, handelt es sich um die erste Krebs-Immuntheraphie des Konzerns. Derzeit führe Roche Studien für weitere 20 Krebsimmuntherapien durch, Tecentriq sei erst der Anfang.

Weiter fulminant zugelegt hat das jüngere Krebsmittel Perjeta, das mit einem Umsatzplus von 17 Prozent auf 1,6 Milliarden Franken in den ersten neun Monaten zum neuen Wachstumstreiber aufstieg.

Dagegen schrumpften der Umsatz des Krebsmittels Avastin um 2 Prozent auf 5 Milliarden Franken. Es handelt sich bei Avastin um ein biotechnologisches Medikament wie bei den Blockbustern Herceptin (5,2 Milliarden Franken Umsatz) und MabThera (5,6 Milliarden Umsatz). Letztere zwei legten bloss 2 Prozent zu.

Alle drei Medikamente kämpfen gegen die zunehmende Generikakonkurrenz. "Wir haben bei Avastin den Höhepunkt erreicht", räumte Schwan ein. In den USA sei der Avastin-Umsatz bei einer Indikation bereits rückläufig wegen der Konkurrenz durch neue Krebs-Immuntherapien.

Natürlich hoffe Roche, dass sich Avastin in Kombination mit eigenen Immuntherapien wie Tecentriq beweisen werde. Doch es könne auch sein, dass sich die Produkte kannibalisieren - das werde sich zeigen.

Mit einem Rückgang von 21 Prozent auf 397 Millionen Franken erlitt das Grippemittel Tamiflu in den ersten neun Monaten dieses Jahres den grössten Rückschlag unter den umsatzstarken Medikamenten. Seit letztem Jahr sind günstige Nachahmerprodukte auf dem Markt.

In der Division Pharma stiegen die Verkäufe in den USA um 10 Prozent. In Europa, wo Roche am stärksten unter Druck ist von Generika, waren sie 2 Prozent rückläufig. In Japan resultierte ein Minus von 1 Prozent. Die Region International erzielte ein Umsatzplus von 4 Prozent.

Das Umsatzplus der Division Diagnostics sei vor allem dank der guten Entwicklung von Produkten für die Immundiagnostik zu verdanken, wie Roche weiter mitteilte.

"Aufgrund der bisherigen Entwicklung bin ich zuversichtlich, dass wir unsere Ziele für das Gesamtjahr erreichen werden", sagte Schwan. Roche prognostizierte im Sommer ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich.

Der Konzern bekräftigte zudem die Absicht, die Dividende in Schweizer Franken weiter zu erhöhen. Im vorbörslichen Handel legte die Roche Aktie knapp 1 Prozent zu, drehte in den ersten Handelsminuten allerdings ins Minus.

(SDA)