Neuenburg setzt bei Crystal Meth auf Prävention statt Repression

Der Kanton Neuenburg hat wie die gesamte Nordwestschweiz mit einem immer grösseren Konsum von Methamphetaminen zu kämpfen. Nun setzt er auf Prävention anstatt auf die Strafverfolgung jedes einzelnen Konsumenten.
17.01.2017 15:56

Das Präventionsprogramm mit dem Namen "WarningMeth" richtet sich an alle Konsumenten von Crystal Meth oder Thai-Pillen, die ab jetzt von der Polizei erwischt werden. Diese Konsumenten können einer Strafe entgehen, wenn sie sich für vier persönliche Sitzungen mit der Organisation Sucht Neuenburg verpflichten.

"Wenn die angehaltene Person dies verweigert, wird ihr Dossier der Staatsanwaltschaft übergeben", sagte am Dienstag Olivier Guéniat, Chef der Neuenburger Kriminalpolizei, vor den Medien. Normalerweise droht den Meth-Konsumenten eine Busse von 300 Franken und ein Entzug des Führerausweises.

Dieser "Deal" mit dem Konsumenten verstösst nicht gegen das Betäubungsmittelgesetz des Bundes, sagte am Dienstag der Neuenburger Generalstaatsanwalt Pierre Aubert. Das Gesetz sehe ebenfalls vor, Schutzmassnahmen der Repression vorzuziehen.

"Diese neue Politik zur Kriminalitätsbekämpfung soll Betroffene früher aus der Drogensucht herausholen", sagte Olivier Guéniat. Nach einem Jahr wird eine Bilanz des WarningMeth-Programms gezogen

In der Nordwestschweiz hat sich ein reger Handel mit Methamphetaminen entwickelt, von Neuenburg über Biel bis nach Basel. Die Substanz trat zunächst in der Form von Thai-Pillen auf, bevor das stark süchtig machende Crystal Meth auftauchte.

Der Preis für 0,1 Gramm Crystal Meth beläuft sich auf 40 bis 50 Franken. Abhängige finanzieren ihren Konsum oft mit Drogenhandel. Der Kanton Neuenburg verzeichnet eine besonders starke Ausbreitung dieser Droge.

Während im Jahr 2000 noch rund 20 Konsumenten bekannt waren, sind heute über 1000 Betroffene der Polizei bekannt. Der Handel und Konsum spiele sich hauptsächlich zwischen Personen ab, die sich kennen, sagte Olivier Guéniat von der Neuenburger Polizei.

Die Region sorgte vor allem nach einem Abwasser-Test auf sich aufmerksam, wonach Neuenburg die Stadt mit dem höchsten Methamphetamin-Konsum in der Schweiz ist.

(SDA)