Neuer Sika-Chef rechnet mit Gerichtsentscheid in nächsten Wochen

Im juristischen Tauziehen um den Zuger Bauchemiekonzern Sika rechnet der neue Firmenchef bald mit einem Urteil des Zuger Obergerichts. "Wir haben alle Eingaben vor zwei Wochen abgeschlossen. Das Gericht hat alle Unterlagen", sagte Paul Schuler am Mittwoch.
20.09.2017 16:03

"Jetzt erwarten wir den Entscheid in den nächsten Wochen", sagte der neue Sika-Chef am Investorentag. Denn beim ersten Urteil des Kantonsgerichts im Falle der Stimmrechtsbeschränkung der Erbenfamilie Burkard an der Generalversammlung habe es sechs bis acht Wochen bis zum Urteil gedauert.

Deshalb gehe man jetzt von einer ähnlichen Zeitspanne aus, sagte Schuler am Rande im Gespräch mit Schweizer Medien: "Es könnte aber auch Anfang Januar werden." Einen Verkauf von Sika an den französischen Konkurrenten Saint-Gobain lehnte der Konzernchef erneut ab: "So wie der Deal jetzt strukturiert ist, ist er für uns ein No-Go."

Um Sika tobt seit Dezember 2014 ein Übernahmekampf, der mit allen juristischen Mitteln ausgefochten wird. Saint-Gobain will 2,75 Milliarden Franken für den Kauf der privilegierten Familienaktien bezahlen, die mit einem Anteil von gut 16 Prozent die Kontrollmehrheit garantieren. Dagegen wehren sich die Sika-Führung und Minderheitsaktionäre.

Mit einer Beschränkung der Stimmrechte - der sogenannten Vinkulierung - hat der Verwaltungsrat die Übernahme bislang blockiert. Damit konnte er verhindern, dass die Schenker-Winkler-Holding (SWH), welche die Erbenfamilie vertritt, an der Generalversammlung (GV) die Verwaltungsräte austauscht und damit den Weg für die Übernahme freimacht. Die SWH vertritt die Meinung, dass diese Stimmrechtsbeschränkung nicht rechtens war und hat die GV-Beschlüsse in der Folge angefochten.

Schuler brachte erneut den Kauf des Burkard-Aktienpakets durch Sika als eine Möglichkeit ins Spiel, den Streit beizulegen. Die Familie könne aber kein Angebot annehmen, weil sie einen bindenden Vertrag mit Saint-Gobain unterzeichnet habe.

"Wir schaffen daran, dass wir einen guten Deal für die Familie finden, der auch für Sika gut und fair ist", sagte Schuler: "Wir haben nie gegen die Familie gekämpft, sondern im Interesse von Sika gegen Saint Gobain."

Der Streit mit den Franzosen sei eine Belastung: Sika habe mehrere Übernahmen nicht machen können, weil die Besitzer der betreffenden Firmen nicht wollten, dass ihre Firma am Ende in die Hände von Saint Gobain komme. Drei bis vier Übernahmen lägen deshalb auf Eis.

Dennoch hält Sika am steilen Expansionskurs fest. Bis 2020 soll die Betriebsgewinnmarge 14 bis 16 Prozent erreichen und der EBIT die Milliardengrenze übertreffen. Insgesamt sollen 30 neue Fabriken in Betrieb genommen und 8 neue Ländergesellschaften gegründet werden. Beim Umsatz wird ein Wachstum von 6 bis 8 Prozent pro Jahr angepeilt.

Bereits 2017 will Sika erstmals beim Umsatz die Marke von 6 Milliarden Franken knacken und 8 neue Fabriken eröffnen. Zudem ist die Gründung von 3 Ländergesellschaften geplant.

Die jüngsten Wirbelstürme in den USA hätten auch Auswirkungen auf Sika gehabt. Mehrere Lieferanten in Texas seien getroffen worden. "Bei uns gibt es Engpässe. Es sollte aber keinen Produktionsunterbruch geben", sagte Schuler. Zudem habe man Probleme, Lastwagen für den Transport zu bekommen, weil diese für die Beseitigung der Schäden und Versorgung der Bevölkerung benötigt würden.

Sika-Werke in den USA hätten keine Schäden durch die Wirbelstürme oder Fluten erlitten. Auch die Mitarbeiter seien glimpflich davongekommen, sagte Schuler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

(SDA)