Noch keine Entwarnung im Bergsturzgebiet von Bondo

Fast zwei Wochen nach dem verheerenden Bergsturz im Bündner Südtal Bergell können rund 60 Einwohner mindestens zwei Monate lang nicht in ihre Häuser zurückkehren. Betroffen sind Leute aus dem Dorf Bondo sowie den Ortsteilen Spino und Sottoponte.
04.09.2017 17:41

Die Ortsteile Spino und Sottoponte bei Bondo seien im Evakuierungsplan der roten Zone zugeordnet worden, gaben Behördenvertreter am Montag in Promontogno bekannt. Das bedeute, dass diese Zone bei jedem weiteren Murgang akut gefährdet sei. Deshalb würden die Gebäude voraussichtlich zwei Monate oder länger nicht bewohnt werden können.

Orientiert darüber wurden die betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner von Anna Giacometti, der Präsidentin der Talgemeinde Bregaglia. Auch im Dorf Bondo selbst, das seit dem Bergsturz vom 23. August evakuiert ist, können die Bewohner der blauen und somit bereits überschwemmten sowie der roten Zone frühestens in zwei Monaten nach Hause zurückkehren. Betroffen von diesem Rückkehrverbot sind im Bergsturzgebiet insgesamt rund 60 Personen.

Für die Bewohner sei das schlimm, aber es werde alles unternommen, sie in dieser misslichen Lage zu unterstützen, so Gemeindepräsidentin Giacometti. Am Mittwoch würden die evakuierten Bewohner von Spino und Sottoponte erstmals begleiteten Zugang zu ihren Häusern erhalten.

Sofern die Häuser der roten und blauen Zone statisch sicher seien, könnten die Bewohner sie unter Begleitung von Einsatzkräften betreten, sagte Martin Bühler, der Gesamtleiter des Führungsstabes der Gemeinde. Bei einem erneuten Alarm müssten sich diese Leute aber innert vier Minuten aus der Gefahrenzone begeben können.

Das rund 30 Kilometer lange Bergell ist auf der Malojastrasse noch nicht durchgehend passierbar. Die Talstrasse bleibt im Bergsturzgebiet, zwischen Spino und Promontogno, bis mindestens am kommenden Mittwoch gesperrt.

Diese Sperre hat italienische Gewerkschaften auf den Plan gerufen. Sie verlangen von der Schweiz eine Entschädigung für die Grenzgänger aus Italien, die im Engadin arbeiten, sofern die Situation im Bergell noch eine Weile anhält.

7000 Grenzgänger sollen im Engadin arbeiten. Davon fahren über 3000 den Weg über das Bergell. Sie müssen aktuell entweder über den Splügen- oder den Berninapass zur Arbeit fahren.

Die Chancen auf solche Entschädigungen sind allerdings gleich null. Die Schweiz habe ein anderes System als Italien, das einen nationalen Katastrophenfonds kenne, sagte Arno Russi von der Unia Graubünden. In der Schweiz müssten solche allfälligen Verdienstausfälle über die Versicherung des Arbeitgebers geregelt werden.

(SDA)