Offenes Gespräch soll zu mehr Organspenden führen

Die Zahl der Organspenden hat dieses Jahr dramatisch abgenommen. Das sind schlechte Nachrichten für die über 1500 Menschen, die auf ein Spenderorgan warten. Die neue Kampagne "Rede über Organspende" soll den Abwärtstrend stoppen.
06.09.2016 11:29

Noch 2015 hatte es gut ausgesehen. Nach einer Kampagne und einer Debatte über Organtransplantation im Parlament war die Zahl der Organspender pro Million Einwohner von 14,4 auf 17,4 gestiegen. Im laufenden Jahr zeichnet sich nun aber ein Einbruch auf 11,7 Spender pro Million Einwohner ab. "Wir sind in einer schwierigen Situation", sagte der Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard, Präsident der Stiftung Swisstransplant, am Dienstag vor den Bundeshausmedien.

Für den Rückgang der Spenden sieht er verschiedene Gründe. Doch das Hauptproblem ist, dass die Angehörigen in vielen Fällen nicht wissen, wie ein möglicher Spender entscheiden hätten. "Und im Zweifelsfall sagen die Angehörigen heute eher wieder Nein", sagte Maillard.

Auf der anderen Seite stehen 1542 Menschen, die auf ein Spenderorgan warten. "Hinter jedem dieser Fälle steht ein Einzelschicksal, eine Familie, die in Ungewissheit lebt", sagte Gesundheitsminister Alain Berset. Zwar befürworteten in Umfragen 80 Prozent der Bevölkerung Organspenden, doch die Realität in der Praxis sehe anders aus. Nach Angaben von Swisstransplant sterben jede Woche zwei Menschen auf der Warteliste.

Die Kampagne setzt bei der Information an. Die Angehörigen sollen wissen, wie sich die Betroffene Person entschieden hätte. "Rede über Organspende" lautet daher der Slogan. "Die Menschen sollen dazu angeregt werden, ihren Angehörigen zu sagen, ob sie einer Organspende zustimmen oder nicht", sagte Berset.

Gleichzeitig soll mit der Kampagne die ganze Bevölkerung für Organspenden sensibilisiert werden. Gerade junge Menschen fühlten sich von dem Thema oft nicht betroffen, sagte Berset. Und ältere Menschen denken, sie seien zu alt. Die Statistik von Swisstransplant belegt, dass das nicht stimmt: Fast die Hälfte der Organspender sind über 60 Jahre alt.

Ziel sind 20 Spender pro Million Einwohner. Das ist immer noch tiefer als in Frankreich, Portugal oder Italien mit Werten weit über 20. Spanien hat sogar 35,9 Spender pro Million Einwohner.

Dort gilt die Widerspruchslösung: Wer sich zu Lebzeiten nicht ausdrücklich gegen eine Organspende ausgesprochen hat, wird nach seinem Tod automatisch zum Spender. Auch in der Schweiz wurde über das Modell diskutiert. Die eidgenössischen Räte haben einen Systemwechsel letztes Jahr jedoch abgelehnt. Stattdessen beschlossen sie einen Aktionsplan, der unter anderem zu einer besseren Information der Bevölkerung führen sollte.

Die Kampagne "Rede über Organspende!" startet am Dienstag mit einem neuen TV-Spot. Zudem wird sie über Plakate, Inserate, Social Media und weitere Kanäle geführt. Eine Website und eine Broschüre beantworten die wichtigsten Fragen zur Organspende, beispielsweise, ob die Angehörigen den Empfänger kennenlernen können oder wie der Tod genau festgestellt wird. Die Kampagne ist auf vier Jahre ausgelegt und kostet 1,65 Millionen Franken pro Jahr.

(SDA)