Opfer des Glarner Justizmordes erhält ein neues Museum

Nach drei Jahren Vorarbeit öffnet am Wochenende das neue Anna Göldi Museum im Glarner Ortsteil Ennenda die Tore für das Publikum. Dokumentiert werden Leben und Tod der Magd in Zukunft im geschichtsträchtigen Hänggiturm.
18.08.2017 13:15

Die moderne und neu konzipierte Ausstellung auf einer Fläche von knapp 600 Quadratmetern ist dem tragischen Schicksal der 1782 in Glarus durch das Schwert hingerichteten Magd Anna Göldi gewidmet. Stationen der angeblich "letzten Hexe Europas" werden nachgezeichnet. Im Zentrum der Exposition steht der gut dokumentierte Prozess, der mit Anna Göldis Todesurteil endete und europaweit für Aufsehen sorgte.

Die Ausstellung befindet sich in einem besonders geschichtsträchtigen Ort im Glarnerland, im so genannten Hänggiturm. Erbaut in der Blütezeit der Textilindustrie Mitte des 19. Jahrhunderts, diente er als Trocknungsturm. Vom 12 Meter hohen Dachgeschoss hingen lange, gefärbte Stoffbahnen zum Trocknen herab.

Besucherinnen und Besucher werden im Turm überdies von einer Themeninsel zur anderen geführt. Informationen gibt es über Hexenwahn, Netzwerke der Macht, Aufklärung, Publizistik oder Rehabilitierung. Zuvor war das Anna-Göldi-Museum in Mollis auf Boden den Gemeinde Glarus Nord angesiedelt, als Teil des Ortsmuseums.

Anna Göldi hat das Glarnerland auch nach ihrem Tod beschäftigt und nie wirklich losgelassen. Voll rehabilitiert wurde sie vom Kantonsparlament im August 2008. Der Landrat erklärte die als "letzte Hexe Europas" bezeichnete Magd offiziell für unschuldig.

Anna Göldi war wegen Verzauberung respektive Vergiftung einer Tochter ihres damaligen Dienstherrn Johann Jakob Tschudi auf die Anklagebank gesetzt worden. Ihr Schicksal gilt als beispielhaft für die Justizwillkür zur Zeit der alten Eidgenossenschaft, schreibt die Anna-Göldi-Stiftung.

4000 Besucherinnen und Besucher erwarten die Initianten laut Walter Hauser in etwa pro Jahr. Hauser präsidiert die Anna-Göldi-Stiftung, die sich nicht nur für die vollständige Rehabilitierung der Magd einsetzte, sondern die Einhaltung der Menschenrechte auch in der heutigem Zeit immer wieder propagiert.

800'000 Franken kostete die Einrichtung des Museums im Hänggiturm. 85 Prozent des Geldes seien durch private Spenden zusammengekommen, sagte Hauser auf Anfrage. Der Betrieb sei für die nächsten zwei, drei Jahre finanziell gesichert. Für die weitere Zukunft strebt Hauser jedoch eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton an.

(SDA)