Oppositionelle Aktionäre fordern Verkauf von Sparte

Die oppositionelle Aktionärsgruppe White Tale macht in einem offenen Brief nochmals mobil gegen die geplante Fusion zwischen dem Basler Chemiekonzern Clariant und dem US-Unternehmen Huntsman. Die Anleger bewegten sich dennoch kaum.
19.09.2017 10:17

Die Aktionärsgruppe fordert, dass der Geschäftsbereich Plastik und Beschichtungen (Plastics & Coating) verkauft werden solle. Danach solle sich der Konzern auf sein Kerngeschäft fokussieren. Damit nennt White Tale zum ersten Mal eine konkrete Alternative zur Fusion. Bisher bekannt war die Opposition gegen die Fusionspläne.

Weiter machte White Tale am Dienstag den Ausbau seiner Beteiligung bekannt: Inzwischen hält die Gruppe 15,1 Prozent und ist damit zum grössten Aktionär von Clariant aufgestiegen. Bisher waren es 10 Prozent.

Bevor ein Entscheid zur Fusion gefällt werde, solle die angestrebte Fusion von einer unabhängigen Investmentbank untersucht werden, fordern die oppositionellen Aktionäre weiter. Ansonsten stimme die Aktionärsgruppe gegen die Fusion.

An der Börse sorgte die Ankündigung kaum für Bewegungen. Als der Investor vor zwei Monaten erstmals die Abkehr von einer Fusion mit der amerikanischen Huntsman forderte, setzten die Papiere noch zum Höhenflug an. Nun aber bewegen sie sich kaum.

Unter Analysten erhält White Tale kaum Unterstützung. So lässt etwa der für Kepler Cheuvreux tätige Christian Faitz in einem Kommentar durchblicken, dass er den Ausführungen und Forderungen von White Tale nicht folgen könne.

Seines Erachtens würden mit der Huntsman-Fusion Aktionärswerte geschaffen, und nicht wie der Finanzinvestor sagt, vernichtet. Er bezeichnet die Vorschläge des Grossaktionärs als etwas gar "naiv". In der Chemieindustrie werde das wahre Leben nicht an einem Flip-Chart eines Investmentbankers bestimmt, so der Analyst.

Auch ZKB-Experte Philipp Gamper beurteilt die Fusion von Clariant und Huntsman entschieden positiver als White Tale. Zudem würde der von White Tale geforderte Verkauf von Plastics & Coatings das Unternehmen zu erheblichen Strukturanpassungen zwingen, denn die Sparte steht für 40 Prozent des Clariant-Umsatzes.

Die Fusion von Clariant und Huntsman ist für Ende Jahr oder Anfang 2018 geplant. Clariant-Chef Hariolf Kottmann ist als Verwaltungsratspräsident vorgesehen und Peter Huntsman soll neuer Konzernchef werden.

(SDA)