Panini-Bilder der Fussballerinnen bleiben ein Nischenprodukt

Zuschauer-Quoten wie bei einem Super-League-Spiel, lediglich ein Nischenprodukt bei den Panini-Sammelbildchen: Trotz steigender medialer Aufmerksamkeit hat es der Frauen-Fussball auch während der Europameisterschaft in den Niederlanden schwer.
21.07.2017 18:13

Von den ersten Panini-Alben einer Frauen-Fussball-EM wurden in der Schweiz gerade mal 12'000 Exemplare gedruckt und die Hälfte davon erst noch gratis abgegeben. Bei der letzten Männer-EM 2016 waren es eine Million gewesen, wie Ezio Bassi von Panini gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte.

Die Erfolgserwartungen waren also von Anfang an gering, auch wenn gemäss Bassi mehr Bilder verkauft werden als bei normalen Unterhaltungs-Sammelalben, wie zum Beispiel Spiderman. Die Schweiz besetzt denn auch nicht den Sammler-Spitzenplatz, wie sonst bei den Männer-Turnieren: Beim Frauen-Fussball führt Deutschland die Rangliste an- die deutsche Frauen-Elf gewann aber auch die letzten sechs Europameisterschaften.

Nicht einmal das EM-Eröffnungsspiel der Schweizer Frauen-Fussballmannschaft gegen Österreich am Dienstag stiess auf übermässiges Interesse: Nach offiziellen Angaben des Schweizer Fernsehens SRF erreichte es mit 197'000 Zuschauern in der Deutschschweiz einen Marktanteil von 23,4 Prozent.

Aber auch Spiele der Männer-Super-League am Sonntag erzielen mit 142'000 Zuschauern jeweils einen Marktanteil von 19,6 Prozent. Ein WM-Qualifikationsspiel der Männer schauen sich durchschnittlich 645'000 Zuschauerinnen und Zuschauern an.

Frauen und Fussball gehörten in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch nicht richtig zusammen, erklärte die Soziologin Nina Degele von der Universität Freiburg im Breisgau in der Sendung "Echo der Zeit" des Schweizer Radios SRF. "Frauen, die Fussball spielen, müssen immer noch beweisen, dass sie Fussball spielen können, obwohl sie Frauen sind".

Und unter dem Motto: "Obwohl Fussball, immer noch Frauen", werde die Sportart auch vermarktet. Die Fussballspielerinnen versuchten ausserhalb des Feldes alles, um "klassische Weiblichkeitsnormen" zu erfüllen, "mit Schminke, Haaren, Kleidung und Fotoshootings", sagte Degele.

Fussball sei von Anfang an ein Männersport gewesen, bei dem Männlichkeit auch über Fussball definiert worden sei und Frauen lediglich hätten mitspielen dürfen. "Und wenn sich so etwas mal entwickelt hat, ist es ganz schwer, davon wieder wegzukommen", sagte Degele.

Und trotz alledem: Fussball erfreut sich vor allem bei den Mädchen und jungen Frauen in der Schweiz nach wie vor grosser Beliebtheit. Im jüngsten Kinder- und Jugendbericht des Bundesamtes für Sport (BASPO) aus dem Jahr 2014 gab jedes zehnte Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren an, ausserhalb der Schule regelmässig Fussball zu spielen und fast jedes dritte gelegentlich.

Fussball ist damit die am häufigsten ausgeübte Teamsportart bei den Mädchen. Die jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren spielen zwar in Vereinen öfter Volleyball als Fussball, doch wenn man die gelegentlichen Aktivitäten einbezieht, liegt Fussball unter allen Teamsportarten auch hier an der Spitze (10,1 Prozent).

(SDA)