Pekings Wunschkandidatin zu Hongkongs Regierungschefin gemacht

Überschattet von Protesten hat in Hongkong ein Peking-freundliches Wahlkomitee die bisherige Verwaltungschefin Carrie Lam zur neuen Regierungschefin der Sonderverwaltungsregion Chinas gemacht.
26.03.2017 06:57

Die 59-jährige Wunschkandidatin Pekings erhielt am Sonntag mit mehr als 600 Stimmen erwartungsgemäss die Mehrheit, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Zuvor hatten hunderte prodemokratischer Demonstranten mit dem Studentenführer Joshua Wong an der Spitze eine Polizeisperre durchbrochen.

Sie wurden aber schliesslich von einer Kette von Sicherheitskräften vor dem Kongresszentrum aufgehalten, wo die Wahl stattfand. Es gab ein heftiges Gerangel zwischen Demonstranten und Polizisten. Auf Plakaten beklagten die Aktivisten "Wahlschwindel" und riefen: "Wir wollen allgemeines Wahlrecht."

In dem Protestzug waren auch der prominente Abgeordnete "Langhaar" Leung Kwok-hung und Hongkongs jüngster Parlamentarier Nathan Law. Tausende von Polizisten sicherten das Kongresszentrum.

Da die kommunistische Führung in Peking den Hongkongern ungeachtet früherer Zusagen keine freie Wahl erlaubt, besetzen 1194 Mitglieder der Wirtschaftselite und anderer Interessengruppen das Spitzenamt in der früheren britischen Kronkolonie.

Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass sich die Mehrheit des Wahlkomitees dem Willen Pekings widersetzen und den nach Umfragen beliebteren früheren Finanzminister John Tsang wählen könnte. Er geniesst die Unterstützung der demokratischen Opposition, aber nicht das Vertrauen Pekings. Dem dritten Kandidaten, Richter Woo Kwok Hing, wurden überhaupt keine Chancen gegeben.

Auch pro-chinesische Kräfte hatten Gegendemonstrationen nahe des Kongresszentrums organisiert, um Unterstützung für das von Peking gelenkte Wahlverfahren zu zeigen: "Dies ist eine glückliche Versammlung", sagte der Textilkaufmann Ivan Tsim in der Gruppe. "Nicht wie die Leute da drüben", sagte der 60-Jährige und zeigte hinüber zu den prodemokratischen Demonstranten.

Mit dem Ruf nach mehr Demokratie hatte die "Regenschirm-Bewegung" 2014 Teile der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole wochenlang lahmgelegt. Es war die schwerste Krise seit der Rückgabe Hongkongs 1997, das nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" unter chinesischer Souveränität autonom regiert wird.

(SDA)