150 Milliarden-Euro-Programm zur Bankenrettung gefordert

Der Chefökonom der Deutschen Bank fordert ein 150 Milliarden Euro schweres EU-Programm zur Bankenrettung.
10.07.2016 07:50
Italines Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena ist besonders betroffen von Italiens neuer Bankenkrise.
Italines Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena ist besonders betroffen von Italiens neuer Bankenkrise.
Bild: Bloomberg

"Man wird nicht umhinkommen, ein größeres Programm zur Rekapitalisierung der Banken aufzulegen", sagte David Folkerts-Landau der "Welt am Sonntag". Die USA hätten dies 2008 mit einem mehrere hundert Milliarden Dollar unfassenden Plan vorgemacht. Für Europa müsse es nicht so viel Geld sein. "Mit 150 Milliarden Euro lassen sich die europäischen Banken rekapitalisieren."

In Europa drohe den Banken eine langsame, langfristige Abwärtsspirale. Die Institute säßen auf notleidenden Krediten im Volumen von zwei Billionen Euro. Die EZB-Strafzinsen belasteten die Finanzindustrie, und die niedrigen Aktienkurse machten es sehr schwer, frisches Eigenkapital am Markt zu besorgen. "Wir erleben Krisen in immer kürzeren Abständen. Und ich kann beim besten Willen nicht erkennen, wo Wachstum herkommen soll."

Besondere Aufmerksamkeit erfordere Italien, sagte Folkerts-Landau. Dort steige die Schuldenquote weiter, und die Banken des Landes hätten notleidende Kredite von 350 Milliarden Euro in ihren Büchern. "Aber das dürfte eher eine Untergrenze sein."

Die neue EU-Bankenrichtlinie erlaube eine gewisse Flexibilität, erklärte der Ökonom. "So dürfen Staaten den Instituten unter bestimmten Voraussetzungen und für eine sehr limitierte Zeitspanne Kapital zur Verfügung stellen." Die Richtlinie verlange aber, dass zunächst die privaten Eigentümer und Gläubiger für acht Prozent der Zahlungsverpflichtungen aufkämen, bevor der Staat einspringen dürfe. 

(Reuters)