cash-talk

«5 Prozent Arbeitslose wären dramatisch»

Nach dem Wegfall der Euro-Mindestgrenze braucht die Wirtschaft gute Rahmenbedingungen im In- und Ausland. Seco-Vizedirektor Eric Scheidegger über Massnahmen, eine mögliche Rezession und das internationale Umfeld.
06.02.2015 01:05
Von Marc Forster
Eric Scheidegger im cash-Talk.
Bild: cash

"Wie sich das ganze Wechselkursgefüge weiterentwickelt, kann man heute noch nicht sagen", sagt Eric Scheidegger im cash-Talk. Das Staatsekretariat für Wirtschaft Seco hat diese Woche auf eine Konjunkturprognose für die Schweiz verzichtet, da die Bundes-Ökonomen die Unsicherheit, die nach dem Ende des Euro-Mindestkurses am 15. Januar entstanden ist, für zu gross halten. Im Dezember hatten die Bundes-Ökonomen ein Wachstum von 2,1 Prozent für 2015 und von 2,4 Prozent im nächsten Jahr vorausgesagt. Die starke Aufwertung des Frankens mache diese Prognose aber unrealistisch, hiess es. 

Die nächste Einschätzung zur Entwicklung des Bruttoinlandproduktes (BIP) wird das Seco am 19. März abgeben. "Dann haben wir auch mehr Informationen", sagt Scheidegger. Im Moment fehlen wichtige Indikatoren, aus denen sich ein Stimmungsbild und eine konkrete Voraussage für Wachstumraten oder allenfalls eine Wirtschaftsschrumpfung ableiten lassen.

Der Wechselkurs ist nur ein Faktor

Mit einem Euro-Wechselkurs von 1,10 Franken wäre die Wirtschaft sicherlich besser bedient als mit einem Kurs bei der Parität. Der Wechselkurs sei aber nur ein Faktor, der die Schweizer Wirtschaft präge: "Ebenso wichtig ist, wie sich die Weltwirtschaft in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt", gibt der Seco-Vizedirektor zu bedenken.

Einzelne Konjunkturinstitute oder Banken haben bereits vorausgesagt, dass die Schweizer Wirtschaft wegen der Aufgabe des Mindestkurses im Euro-Franken-Verhältnis bei 1,20 Franken durch die Nationalbank zu einer schrumpfenden Wirtschaft führe. Für das Seco ist indessen noch nicht vorhersehbar, ob die Schweiz nur eine "Delle" in der Entwicklung erleben werde oder ob sie in eine leichte oder eine schwere Rezession falle: "Den Übergang von einer leichten zu einer schweren Rezession sehen wir vor allem beim Arbeitsmarkt. Dramatisch wäre ein Arbeitslosigkeit von 5 Prozent."

Günstiges Umfeld

Die Wirtschaft, vor allem die exportorientierten Branchen, müssten nun rasch zu neuer Zuversicht gelangen, sagt Scheidegger, der beim Seco die Abteilung Wirtschaftspolitik leitet. Dazu sei ein günstiges Umfeld nötig, für die der Bundesrat und das Parlament zuständig seien: "Typischerweise würde man in einer solchen Situation nicht Konjunkturmassnahmen mit kurzfristig erhöhten Staatsausgaben ergreifen, sondern eher die mittel- und langfristigen Rahmenbedingungen verbessern." Ein weniger restriktives Umfeld sei für die Unternehmenslandschaft sehr wichtig: "Ich denke auch an die administrative Entlastung, das ist ein Dauerthema in der Schweiz, da gerade auch kleinere Unternehmen darunter leiden."

Massnahmen im Sinne der Wirtschaft könnten nun von der Politik beschleunigt werden, sagt Scheidegger. Unsicherheiten bestünden bei der künftigen Unternehmensbesteuerung und bezüglich der bilateralen Verbindungen zur Europäischen Union, die nach der Volksabstimmung zur Masseneinwanderung in Frage gestellt seien. Gerade die bilateralen Verträge seien aber auch ein wichtiger Faktor für die künftige BIP-Entwicklung. 

Im cash-Talk äussert sich Eric Scheidegger auch zu den Erfolgschancen des Anleihenprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB), sowie zur Entwicklung anderer Exportmärkte wie den USA oder Asien.

Das Gespräch mit Eric Scheidegger fand im Rahmen der Messe Finanz '15 in Zürich statt.