70 Franken monatlich sind für Alain Berset matchentscheidend

Bundesrat Alain Berset ist nicht nervös oder überrascht, weil neueste Umfragen zur Abstimmung über die Reform der Altersvorsorge einen knappen Ausgang voraussagen. Man spüre aber, dass bei der Bevölkerung viel Klärungsbedarf bestehe.
16.09.2017 16:30

Der Kompromiss, der die Rentenreform an die Erhöhung der Mehrwertsteuer verknüpfe, erlaube es, die erste und zweite Säule der Altersvorsorge zu stärken, sagt Berset im Interview mit der Finanznachrichtenagentur awp, das am Samstag vom Nachrichtenportal bluewin veröffentlicht wurde.

Es mache keinen Sinn, für eine Vorlage und gegen die andere zu sein. "Die Reform kann nur umgesetzt werden, wenn beide Vorlagen angenommen werden." Mit der vorliegenden Reform sehe die Bevölkerung in Franken und Rappen, dass es kein leeres Versprechen gewesen sei, das Niveau der Renten und der beruflichen Vorsorge zu erhalten.

MIT 70 FRANKEN INS KINO

Die Reform verspricht Neurentnern monatlich 70 Franken mehr AHV. Bundesrat Berset hat auch eine Idee, wie er persönlich das Geld einsetzen würde: "Mit 70 Franken würde ich zum Beispiel mit der Familie ins Kino gehen."

Er sei überrascht, dass diese 70 Franken kleingeredet werden. Personen mit tiefer oder kleiner Pensionskassenrente hätten oft Ende Monat nicht so viel Geld übrig. "In dieser Situation können 840 Franken mehr im Jahr einen echten Unterschied machen."

KNAPPES RENNEN

Das Rennen um die Doppelvorlage für die Reform der Altersvorsorge bleibt eng. Dies zeigen die am Mittwoch veröffentlichten Umfrageergebnisse: Die Onlinebefragung von Tamedia von anfangs September ergibt ein sehr knappes Nein mit 51 Prozent, die telefonisch durchgeführte SRG-Trendumfrage ein ebenso knappes Ja. Findet die Mehrwertsteuererhöhung keine Kantonsmehrheit, ist die Vorsorgereform erledigt.

In den Augen der Gegner stellt die Reform der Altersvorsorge einen unverantwortlichen Ausbau der AHV dar. Für die Befürworter ist es ein tragfähiger Kompromiss, der den jahrzehntelangen Reformstau lösen soll. Am 24. September entscheidet die Stimmbevölkerung.

ra/

(AWP)