76 Poststellen im Kanton Bern droht Umwandlung oder Schliessung

Die Post will im Kanton Bern fast die Hälfte ihrer herkömmlichen Poststellen überprüfen. Damit droht insgesamt 76 Poststellen eine Umwandlung in eine Agentur - oder die Schliessung, wie insbesondere die Gewerkschaften befürchten.
23.05.2017 13:37

Bis ins Jahr 2020 will die Post im Kanton Bern 92 Poststellen garantiert erhalten, wie sie am Dienstag mitteilte. Für die 76 anderen Poststellen sollen wenn möglich andere Lösungen gefunden werden. Betroffen sind dort rund 140 Arbeitsstellen. Entlassungen will die Post vermeiden.

Im Vordergrund steht für die Post die Umsetzung von Partnerfilialen, wie sie in ihrer Mitteilung schreibt. Das heisst: Postagenturen in Dorf- und Quartierläden, Tourismusbüros oder Gemeindeverwaltungen.

Zu den zu überprüfenden Poststellen gehören beispielsweise Zäziwil, Lauterbrunnen, Aarwangen, Erlach oder Lotzwil. Auch in städtischen Gebieten will die Post über die Bücher, etwa bei den Poststellen Thun Allmendingen, Biel Neumarkt und Gurzelen oder Bern Matte, Weltpostverein, Spitalacker, Holligen und Kirchenfeld.

DIGITALISIERUNG MIT FOLGEN

Die Post setzt zunehmend auf einen Mix aus physischen und digitalen Zugangsmöglichkeiten. Damit will das Unternehmen nach eigenen Angaben auf die veränderten Kundengewohnheiten reagieren. Statt auf der traditionellen Poststelle erledigten Kunden zunehmend ihre Postgeschäfte rund um die Uhr via Smartphone und Computer.

Im Kanton Bern will die Post deshalb den Ausbau von bis zu 46 weiteren Zugangsmöglichkeiten vorantreiben, wie sie ankündigte. Die Umstrukturierungen in den kommenden Jahren will die Post im Dialog mit den Gemeinden und Städten angehen.

KRITIK AN "KAHLSCHLAG"

Die Gewerkschaften kritisierten die Pläne der Post heftig. Die Post verabschiede sich von ihrem Auftrag eines flächendeckenden Service public. Eine Auslagerung in lokale Partnerfilialen sei kein gleichwertiger Ersatz für das bisherige Angebot, schrieb der Gewerkschaftsbund des Kantons Bern in einer Mitteilung.

Die Gewerkschaft syndicom monierte den "Kahlschlag" bei der Post ihrerseits. Die Erfahrungen zeigten, dass die Post mit Überprüfung eigentlich Schliessung meine. "Dass die Post davon spricht, Poststellen zu sichern, ist nichts als Schönfärberei", schreibt syndicom.

Agenturen und Zugangspunkte böten nur einen Teil der Dienstleistungen an, gleiches gelte auch für Bareinzahlungen an der Haustür oder die Mittagszustellung von Tageszeitungen in Gebieten ohne Frühzustellung.

POSTSTELLEN IN QUARTIEREN VOR DEM AUS?

Auch die Berner Stadtregierung zeigte sich besorgt über die Umbaupläne der Post. Zwar habe man ein gewisses Verständnis für die wirtschaftlichen Sachzwänge der Post, schreibt der Gemeinderat in einer Mitteilung. Aber in der Vergangenheit habe die Überprüfung des Poststellennetzes in der Stadt Bern meist auf die Schliessung von Poststellen zur Folge gehabt.

Der Gemeinderat befürchtet, dass mit den neuen Massnahmen ein weiterer Abbau von Dienstleistungen einhergeht und gut frequentierte Poststellen in den Quartieren geschlossen werden.

Vergangenen Herbst hatte die Post bekanntgegeben, dass sie ihr Poststellennetz deutlich verkleinern will. Am Dienstag wurde nun bekannt, wie die Post ihr Vorhaben im Kanton Bern umsetzen will.

(AWP)