ABB-CEO: «Europa macht mir Bauchweh»

ABB kämpft derzeit an vielen Fronten mit Problemen. Doch es gibt auch einen «Durchbruch», wie der Konzernchef Ulrich Spiesshofer gegenüber cash sagt.
13.02.2014 14:43
Von Frédéric Papp
ABB-CEO Ulrich Spiesshofer im cash-Video-Interview.
Bild: cash

ABB-CEO Ulrich Spiesshofer präsentierte am Donnerstag die Jahreszahlen 2013 und bezeichnete sie als "solide". Nicht ohne Stolz verwies er auch auf den Rekordumsatz, den ABB im vergangenen Jahr erzielte. Und er wurde nicht müde, die sehr gute Positionierung des Unternehmens in diversen Märkten herauszustreichen.

Geholfen hats wenig, wie die Reaktion der Börse zeigt. Die ABB-Aktie fällt am Donnerstag gegen 3 Prozent zurück. Die Minusperformance seit Jahresbeginn beträgt nun gut 4 Prozent, während der Gesamtmarkt im positiven Bereich liegt.

ABB muss denn auch in den kommenden Monaten diverse Hürden überspringen. Dies weiss Spiesshofer: "Das 2014 wird eine Herausforderung", sagt er im Gespräch mit cash. Wie das Zürcher Unternehmen ins neue Jahr gestartet ist, will Spiesshofer nicht sagen. Er verweist diesbezüglich auf die Quartalszahlen, die Ende April publiziert werden.

Energiewende lässt auf sich warten

Doch es ist sehr wahrscheinlich, dass es für ABB weiterhin schwierig sein wird, wieder mehr Aufträge – insbesondere Grossaufträge – an Land zu ziehen. So hat ABB zwar die Technologie, um die angekündigte Energiewende in Europa voranzutreiben. Doch Europa hält sich diesbezüglich zurück – eine Entwicklung, die Spiesshofer "Bauchweh" bereitet, wie er gegenüber cash sagt.

Denn während die USA stark in die Gewinnung von Öl- und Gasvorkommen mittels der Cracking- und Fracking-Methode investiere, tue sich Europa schwer in Energiefragen voranzukommen, so Spiesshofer, der seit letzten September an der Spitze des Konzerns ist. In Europa sind die Energiekosten inzwischen doppelt so hoch wie in den USA. Spiesshofer hofft, dass in den nächsten anderthalb Jahren die richtigen Signale seitens der EU gesetzt werden.

Neben Europa klemmt es auch in den Schwellenländern. ABB ist stark von der Investitionstätigkeit von Ländern wie zum Beispiel Brasilien abhängig. Doch gerade in Brasilien dominieren Inflation und dürftiges Wachstum. Und auch die Wirtschaft in China läuft seit einigen Monaten nicht mehr unter Volldampf. Spiesshofer beschwichtigt: "Egal, ob ein Schwellenland in der Krise steckt oder nicht, Investitionen in Infrastruktur und Automation sind extrem wichtig, um das Wachstum voranzutreiben."

«Massiver Durchbruch» in China

Diese Probleme haben ABB veranlasst, die mittelfristigen Finanzziele nach unten anzupassen. Bis 2015 rechnet ABB neu mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum von 4 bis 5 Prozent. Bislang lag dieser Wert zwischen 5,5 und 8,5 Prozent. 

Grosse Hoffnungen setzt ABB derzeit auf ein Projekt in China. Wie am Donnerstag bekannt wurde, installiert das Unternehmen im Auftrag von Shenzhen BYD Daimler New Technology für ganz China das grösste Schnellladenetz der Welt für Elektrofahrzeuge. Der Auftrag umfasst die Lieferung von mehreren tausend Ladestationen und ist laut Spiesshofer ein "massiver Durchbruch für ABB".

Genauere Details zu dieser strategischen Kooperation hält ABB aber noch unter Verschluss. Laut Spiesshofer werde im zweiten Quartal 2014 genauer über diese strategische Kooperation informiert.

Im cash-Video-Interview sagt Spiesshofer, wie ABB auf mögliche Folgen nach der Annahme der SVP-Initiative "Gegen Masseneinwanderung" reagiert.