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«ABB und Zurich sind Kauf-Kandidaten»

Gute Investment-Chancen sieht Thomas Della Casa derzeit vor allem bei zyklischen Aktien. Im cash-Börsen-Talk nennt der Anlagechef der Neuen Helvetischen Bank seine bevorzugten Titel.
22.11.2013 01:00
Von Frédéric Papp
Thomas Della Casa, Anlagechef bei der Neuen Helvetischen Bank, im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Das laufende Börsenjahr zaubert vielen Anlegern ein Lachen ins Gesicht. Der amerikanische Leitindex Dow Jones, der deutsche Aktienindex Dax und der Swiss Market Index kletterten je 21 Prozent. Inzwischen mehren sich warnende Stimmen, die eine baldige Korrektur fürchten.

So sorgte jüngst US-Grossinvestor Carl Icahn für Verunsicherung mit seiner Aussage, dass er derzeit bei Aktien sehr vorsichtig agiere. Die Kurse könnten tief fallen, weil die Gewinne vieler Unternehmen mehr durch die niedrigen Kreditzinsen befeuert würden als durch die Strategie des Managements, so Icahn. Auch andere Investoren heben den Warnfinger.

Thomas Della Casa sieht dem 2014 indes positiver entgegen. "Es könnte durchaus ein passables Wirtschaftsjahr werden. Die gegenwärtigen Bewertungen sind gerechtfertigt", sagt der Anlagechef der Neuen Helvetischen Bank im cash-Börsen-Talk.

Zykliker übergewichten

Allgemein empfiehlt Della Casa aufgrund der sich abzeichnenden Konjunkturerholung in Europa zyklische Titel, wie zum Beispiel ABB. Unter dem neuen Konzernchef Ulrich Spiesshofer werde die Portfolio-Optimierung vorangetrieben. Ein Prozess, der nach Della Casa, unter dem Vorgänger Joe Hogan vernachlässigt worden war. Auch die Zurich Insurance Group sei ein Kandidat mit guten Kurschancen, so Della Casa. Der Versicherungskonzern wird am 5. Dezember ein Update zur Strategie mitteilen.

Für Anleger mit etwas mehr Mut zum Risiko sind laut dem Anlagechef die Aktien des Airline-Catering-Unternehmens Gategroup oder des Papierproduzenten Cham Paper Group ein Kauf.

Gategroup hat vor allem das Europa-Geschäft restrukturiert. "Der Turnaround ist geschafft", sagt Della Casa. Dies belegen auch die jüngst bekannt gegebenen Drittquartalszahlen. Der Gewinn lag deutlich über den Marktprognosen. Della Casa traut der Aktie ein starkes Entwicklung zu: "Der Titel müsste gegen Ende 2014 eher bei 37 Franken anstatt aktuell bei 25 Franken liegen."

Bei der Zuger Cham Paper Group verweist Della Casa auf einen lukrativen Value-Posten. Es handelt sich dabei um ein ehemaliges Werkgelände in Cham im Umfang von über 100'000 Quadratmeter. Auf dem Gelände sollen Mietwohnungen entstehen. Kommt die Umzonung beim Zuger Stimmvolk Ende 2014 durch, wird mittelfristig ein erheblicher Mehrwert für das Unternehmen geschaffen. "Die Aktie müsste bei 300 Franken liegen", so Della Casa. Derzeit notiert der Titel bei 226 Franken.

Finger weg von Schweizer Bankaktien

Die Finger lässt Della Casa hingegen von den hiesigen Grossbankaktien. "Es gibt nach wie vor grosse Unsicherheit in Bezug auf Vergleichszahlungen." Fast im Wochentakt geben die beiden Finanzhäuser USB und Credit Suisse Bussen im mehrstelligen Millionenbereich bekannt.

Da setzt der Anlagechef der noch jungen Bank - sie wurde im Januar 2011 gegründet - lieber auf spanische und italienische Finanzinstitute. So streicht er im Börsen-Talk die Banco de Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) hervor. Das Finanzinstitut sei gut kapitalisiert und reagiere als Frühzyklikerin schnell auf die anziehende wirtschaftliche Erholung in Spanien. In Italien favorisiert Della Casa den Versicherer Unipol. Die grösste Versicherungsgruppe des Landes sei gut geführt. Und: "Der Abschlag auf den Buchwert beträgt rund 30 Prozent."
 

Im cash-Börsen-Talk sagt Della Casa, weshalb er Stockpicking generell für die bessere Anlagestrategie hält, als bloss den Index abzubilden. Weiter äussert er sich über den Zeitpunkt des Fed-Taperings und zu dessen Folgen für die Aktienmärkte.