Abgas-Gutachter: Nachprüfungen waren zu sehr auf VW-Methoden verengt

Der Sachverständige in der Abgas-Prüfkommission von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), Georg Wachtmeister, hat die Methoden bei den Nachtests verschiedener Autobauer kritisiert. Die Verfahren, mit denen das Kraftfahrt-Bundesamt bei 53 Modellen Auffälligkeiten bei Abgaswerten auf die Schliche kommen wollte, seien zu eng auf das Manipulationssystem von Volkswagen ausgerichtet gewesen, erläuterte der Professor für Verbrennungsmotoren am Donnerstag im Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestags. "Was mich geärgert hat: Man hätte etwas weiter denken können, man war ja nicht so in Richtung Abschalteinrichtungen gepolt", sagte er.
19.01.2017 19:07

Volkswagen hatte in Diesel-Fahrzeugen ein "defeat device" eingesetzt. Ein solche Software in Motorsteuerung und Abgasregelsystem erkennt Testläufe auf dem Prüfstand und reduziert dabei den Ausstoss etwa von Stickoxiden nur dann voll - während der Wagen auf der Strasse deutlich mehr Schadstoffe emittiert. Später kamen auch sogenannte Abschalteinrichtungen in die Diskussion. Im Gegensatz zu Manipulationen von Prüfstandsmessungen werden diese auch im normalen Betrieb aktiviert, wobei die Abgasanlage zum Beispiel nur innerhalb gewisser Temperaturbereiche vollständig hochgefahren wird.

Vor dem Bekanntwerden des VW-Skandals habe er von "defeat devices" nichts gehört, meinte Wachtmeister. "Das war für mich auch neu." Als er von den Praktiken bei Volkswagen erfahren hatte, habe er dann gedacht: "Um Gottes Willen, was machen die da?" Versuche der Beeinflussung durch Autohersteller habe er bei seiner Arbeit in der Untersuchungskommission aber nicht gespürt./jap/DP/stw

(AWP)