Absturz deutscher Bank-Aktien alarmiert Zentralbank

Der Einbruch von Aktien deutscher Geldhäuser bereitet der Bundesbank grosse Sorgen.
25.08.2016 06:06
Der Sitz der Deutschen Bundesbank in Frankfurt.
Der Sitz der Deutschen Bundesbank in Frankfurt.
Bild: ZVG

"Den Rückgang in der Marktkapitalisierung von Banken kann man nur kritisch sehen, denn dadurch wird eine Kapitalaufnahme erschwert", sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret in einem am Mittwoch veröffentlichten Reuters-Interview.

"Wenn es den Wunsch nach einer Kapitalerhöhung gibt, würde diese deutlich teurer." Die Papiere von Deutscher Bank und Commerzbank sind zuletzt kräftig unter die Räder gekommen, beim europaweiten Stresstest gehörten die beiden größten deutschen Banken zu den schwächsten Instituten. Die Deutsche Bank braucht nach eigenem Bekunden derzeit keine Kapitalerhöhung, einige Analysten sehen das allerdings anders.

Commerzbank-Aktien haben seit Jahresstart 38 Prozent eingebüßt, die Papiere der Deutschen Bank 45 Prozent. Sie brachen damit stärker ein als der Index für Bankenwerte der Euro-Zone mit minus 29 Prozent. Hauptgrund für den Absturz deutscher Bankaktien sei die Unsicherheit über die strukturelle Ertragskraft der Institute, sagte Dombret. "Verantwortlich dafür ist vor allem das Niedrigzinsumfeld, unter dem Banken in Deutschland aufgrund der hohen Einlagen ganz besonders leiden." Zudem finanzierten sich Firmen in der Bundesrepublik stärker über Bankkredite und weniger über den Kapitalmarkt als in anderen Ländern. Zu einzelnen Banken äußerte sich Dombret nicht.

Banken klagen seit langem über die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), die den Leitzins auf null gesenkt hat und zudem Strafzinsen von Geldhäusern verlangt, die über Nacht Geld bei ihr parken. Bei vielen Instituten sorgt das für sinkende Gewinne. Aus Sicht von Deutsche-Bank-Chef John Cryan schwächt die EZB-Geldpolitik inzwischen die Wirtschaft und das europäische Bankensystem. "Aus Sicht der Bankenaufsicht ist die geringe Rentabilität der Geldhäuser bedenklich", sagte Dombret. "Die Ertragskraft von heute ist die Widerstandsfähigkeit von morgen." Zudem seien profitable Banken wichtig, damit die Geldpolitik in der Realwirtschaft ankomme.

Banken müssen Strategie überdenken

Dombret forderte die deutschen Banken auf, ihre Strategien zu überdenken. "Das gilt auch für Geschäftsmodelle, die schon sehr lange bestehen. Manchmal kann es auch helfen, die Komplexität einer Bank zu reduzieren, damit die Investoren wieder Vertrauen fassen." Dieses Ziel verfolgt aktuell die Deutsche Bank, die künftig nicht mehr alles für jeden anbieten will. Ob Universalbanken noch in die Zeit passen, werden laut Dombret am Ende die Kunden entscheiden. "Angebote, die an der Nachfrage vorbeigehen, ergeben wenig Sinn."

Auch Fusionen und Marktaustritte - ganz oder aus Teilmärkten - dürfen aus Sicht von Dombret kein Tabu sein. "Zusammenschlüsse machen allerdings nur Sinn, wenn sich Institute gut ergänzen und es Synergien gibt." Bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken gebe es Konsolidierung, aber das sei keine Patentlösung für alle Geldhäuser. "Ich bin explizit gegen Zusammenschlüsse von zwei schwachen Instituten - das wäre nicht zukunftsweisend."

Deutsche Banken liegen laut Dombret im internationalen Vergleich bei den Erträgen recht weit hinten, auf der Kostenseite eher im Mittelfeld. "Bei den Kosten noch weiter zu kürzen, ist schwierig, aber nicht unmöglich." Positiv sei, dass es mittlerweile auch auf der Ertragsseite Bewegung gebe. "Ich finde es richtig, dass es heute eine offene Diskussion über Gebühren für Girokonten gibt. Bankdienstleistungen können nicht kostenlos sein, wenn Banken und Sparkassen mit der Zinsmarge kein Geld mehr verdienen." Jüngst hatte die Postbank angekündigt, kostenlose Girokonten für Millionen von Kunden abzuschaffen. Auch andere Geldhäuser verlangen inzwischen mehr Geld für Kontoführung und Kreditkarten.

Für Schlagzeilen sorgte zuletzt auch die Raiffeisenbank Gmund, die die Strafzinsen der EZB von 0,4 Prozent an einige vermögende Privatkunden weitergeben will. Dombret sieht jedoch derzeit keine Anzeichen dafür, dass dies künftig auf breiter Front auf Bankkunden in Deutschland zukommt. "Bei unserer letzten Niedrigzinsumfrage aus 2015 haben lediglich 16,4 Prozent aller Institute angegeben, dass sie darüber nachdenken", erklärte Dombret. "Und Nachdenken heißt noch lange nicht, negative Zinsen zu berechnen." 

(Reuters)