Abzug von Risiko-Management könnte London 100'000 Jobs kosten

Rund 100'000 Arbeitsplätze wären in Gefahr, sollte London Clearing-Geschäfte verlieren.
02.10.2016 13:46
Blick London City, dem Banken- und Geschäftsviertel im Herzen Londons.
Blick London City, dem Banken- und Geschäftsviertel im Herzen Londons.
Bild: Pixabay

Diese Ansicht vertritt Xavier Rolet, CEO der London Stock Exchange Group. "Wir schätzen, konservativ, dass ein absolutes Minimum von 100'000 Jobs in den unterstützenden Bereichen Risiko-Management, Compliance, Middle-Office und Verwaltung - und das nebenbei nicht nur in London, sondern überall im Land - eingeschlossen sind bei der Unterstützung des Geschäfts und ganz klar auf der Kippe stehen könnten", sagte Rolet in einem Interview mit Bloomberg TV. "Aber der Punkt ist, dass es sehr, sehr wenige Finanzzentren in der Welt gibt, die ein solch globales Geschäft aufnehmen könnten."

Rolets Äusserungen erfolgten, nachdem verschiedene Manager globaler Investmentbanken in London gesagt hatten, dass sie davon ausgehen, dass Frankreich und Deutschland im Ringen um das Clearing von täglich 570 Mrd. Dollar an Euro-Derivaten die Oberhand behalten werden.

Clearing-Häuser sind so angelegt, dass sie verhindern, dass ein Ausfall ausser Kontrolle gerät. Sie erreichen dies, indem sie Sicherheiten halten und Risiken beobachten. 

New York als Nutzniesser?

Aufsichtsbehörden halten diese Institutionen für einen der besten Wege, eine weitere Finanzkrise zu verhindern. Daher ist die Rolle der Clearing-Häuser in der globalen Finanzwelt in den vergangenen Jahren erheblich mehr verzahnt geworden.

Europäische Politiker wie der französische Präsident Francois Hollande haben Clearing als ein Geschäft hervorgehoben, dessen Verbleib in Grossbritannien nach dem Austritt des Landes aus der Europäischen Union nicht erlaubt werde.

Nach Meinung des LSE-CEO dürfte New York, und weniger eines der europäischen Finanzzentren, wahrscheinlich der grösste Nutzniesser sein, wenn entsprechende Geschäfte aus London abwandern.

"Ist es möglich, dass die ganze Sache abwandert? Natürlich ist es das", erklärte Rolet. "Die London Stock Exchange Group betreibt über das London Clearing House ein sehr erfolgreiches Clearing-Geschäft. Und es hat beispielsweise eine Geschäfts-Lizenz für das, was meiner Meinung nach - offen gesagt - die einzige logische Alternative zu London sein könnte, falls es dazu kommt, und das ist der New Yorker Markt."

Umzug wäre komplex

LSE ist Mehrheitseigner des London Clearing House (LCH), dem grössten Clearing-Haus der Welt für Derivate, die mit Zinssätzen verbunden sind. Rund 700 Menschen sind direkt bei den Clearing-Häusern in London beschäftigt, darunter mehr als 500 beim LCH.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Aktiva eines Clearing-Hauses umziehen. Intercontinental Exchange hatte zwei Derivate-Börsen in London gekauft und später das Clearing zu einer eigenen Einheit verlagert. Die Derivate waren zuvor beim LCH durch das Clearing gegangen.

"Die physische Möglichkeit eines Umzugs und die ökonomischen Konsequenzen sind eher komplex", sagte Rolet. "Das Konzept beispielsweise einer Trennung des Clearings von Zins-Swaps in Euro und Zins-Swaps in US-Dollar macht wirtschaftlich einfach keinen Sinn und kann wahrscheinlich nicht erreicht werden, selbst aus einem aufsichtsrechtlichen oder juristischen Blickwinkel."

(Bloomberg)