Agrarzölle kosten Konsumenten Milliarden

Wegen Agrarzöllen zahlen Konsumenten jährlich 2 bis 3 Milliarden Franken zu viel für Wein, Fleisch, Gemüse oder Getreide. Das ergaben Berechnungen des Preisüberwachers Stefan Meierhans.
30.06.2016 10:45
Ein Bell-Mitarbeiter holt Cervelats aus der Räucherkammer. Agrarzölle verteuern auch die inländischen Lebensmittel.
Ein Bell-Mitarbeiter holt Cervelats aus der Räucherkammer. Agrarzölle verteuern auch die inländischen Lebensmittel.
Bild: ZVG

Sein Fazit: Es wäre günstiger, Bauern mit Direktzahlungen zu unterstützen. Zölle auf landwirtschaftlichen Produkten verteuerten nicht nur eingeführte Waren, sondern indirekt auch die im Inland produzierten, schreibt der Preisüberwacher in seinem Newsletter vom Donnerstag. Die Zollerträge auf allen landwirtschaftlichen Erzeugnissen beliefen sich 2012 auf rund 612 Mio CHF.

In den Haushaltskassen macht sich aber die Verteuerung der inländischen Produkte weitaus stärker bemerkbar. Ein Preisvergleich, den das Team des Preisüberwachers zwischen importierten und inländischen Gütern vornahm, zeigt: Wegen der Agrarzölle können Bauern jährlich 2,6 Mrd CHF mehr für ihre Produkte verlangen.

Das rechnerische Ergebnis überschätze aber tendenziell die Effekte eher, schreibt der Preisüberwacher. Er geht deshalb "sicherheitshalber" von 2 bis 3 Mrd an Mehrbelastung aus.

Stärkere Verteuerung bei Fleisch

Besonders stark verteuert sich Fleisch: Die Zollerträge auf Rindfleisch beliefen sich auf rund 32 Mio CHF, die Mehrbelastung wegen teureren inländischen Produkten beträgt aber fast 400 Mio CHF - das ist mehr als das zwölffache.

Laut dem Preisüberwacher treiben unter anderem die bereits höheren Preise für andere landwirtschaftliche Produkte die Kosten beim Fleisch und verstärken damit den Preiseffekt: Weil ein Rind bereits mit teurerem Futtermais oder -gerste gefüttert wird, kostet das Rindfleisch nochmals mehr. Laut einer Erhebung des europäischen Statistikamts Eurostat ist das Fleisch in der Schweiz zweieinhalb mal so teuer wie im Ausland.

Auswirkungen auf andere Branchen

Aber nicht nur auf Fleisch, Früchte oder Gemüse haben die Zölle Auswirkungen: Sie verteuern auch andere Produkte, die im Laden gekauft werden wie Kosmetika und Körperpflegeprodukte, heisst es im Newsletter. Deren Preise orientieren sich nämlich an einem Warenkorb, der auch landwirtschaftliche Produkte umfasst.

Der Agrarschutz erweise sich zudem für Branchen wie den Tourismus, das Gastgewerbe oder die Lebensmittelindustrie als Wettbewerbsnachteil im Verhältnis zu ausländischen Anbietern, hält der Preisüberwacher fest. Denn diese Branchen greifen für ihre eigene Leistungen auf landwirtschaftliche Erzeugnisse zurück.

Meierhans kommt zum Schluss, volkswirtschaftlich gesehen liesse sich die einheimische Produktion unterstützt durch Direktzahlungen günstiger finanzieren, weil in diesem Fall der Handel von der Marktabschottung nicht mitprofitiere.

(AWP)