Agroscope geht mit Fenaco eine Forschungspartnerschaft ein

Bätterkinden (awp/sda) - Das bundeseigene Forschungsinstitut Agroscope geht mit dem landwirtschaftlichen Konzern Fenaco eine Kooperation ein. Das Ziel der Vereinbarung sei eine Stärkung der Schweizer Landwirtschaft, sagten die Beteiligten am Donnerstag vor den Medien.
27.10.2016 17:09

Martin Keller, der Vorsitzender der Fenaco-Geschäftsleitung, erhofft sich, dass sich durch die Ergebnisse der Forschungszusammenarbeit Produktivitäts- und Effizienzgewinne erzielen lassen. Insbesondere für den Produktionsstandort Schweiz, wo die Kosten für Land, Gebäude und Arbeit im internationalen Vergleich hoch seien, sei dies für die Wettbewerbsfähigkeit zentral, sagte er.

Agroscope-Chef Michael Gysi wiederum verwies auf den Zweck der bundeseigenen Einrichtung, angewandte Forschung zu betreiben, die auch "Eingang in die Praxis" finde. Die Zusammenarbeit mit Fenaco führe aber nicht nur zu einem "stärkeren Outreach", also einer grösseren Reichweite von Agroscope, sondern beschere auch neue Drittmittel.

Konkret beteiligt sich die genossenschaftlich organisierte Fenaco mit Mitteln im Wert von 300'000 Franken jährlich an der Forschungszusammenarbeit. Davon soll die Hälfte dieses Beitrags in der Form von Personalressourcen und Infrastrukturen erfolgen.

Die Fenaco, zu der unter anderem die Landis gehören, profitiert im Gegenzug nicht nur von angewandter Forschung, die spezifisch auf ihre Bedürfnisse angepasst ist - sie wird auch die Resultate eines Teils der Forschungsprojekte exklusiv besitzen. Wie Keller am Donnerstag betonte, stehen aber sämtliche Resultate "beiden Partnern" für darauf aufbauende Forschung zur Verfügung.

Dass Agroscope diese Immaterialgüter an Forschungspartner aus der Privatwirtschaft abtreten darf, ist nicht selbstverständlich. Die rechtliche Basis dafür wurde erst durch eine Bundesverordnung im Jahre 2012 geschaffen.

FEINDE DES FEINDES IDENTIFIZIEREN

Im Rahmenvertrag, den beide Parteien am Donnerstag im Fenaco-Leistungszentrum in Bätterkinden unterzeichneten, sind die Einzelheiten bezüglich der Aufteilung der Rechte an den Forschungsergebnisse noch nicht enthalten. "Das müssen wir noch im Detail aushandeln", sagte Keller dazu.

Geeinigt haben sich die beiden Institutionen aber bereits auf drei Forschungsprojekte, die 2017 in Angriff genommen werden:

Zwei Projekte befassen sich mit der Optimierung des biologischen Pflanzenschutzes bei Äpfel beziehungsweise Karotten. So gehen jedes Jahr ein Teil der Früchte und Karotten bei der Lagerung verloren. Forscherteams versuchen nun, Mikroorganismen zu identifizieren, welche die Krankheitserreger bezüglich Lebensraum und Nahrung konkurrieren und verdrängen, ohne die Äpfel und Karotten zu beschädigen.

In einem dritten Projekt sollen thermische Verfahren wie Warmwasser, Wasserdampf und Trockenhitze zur Behandlung von Getreide-Saatgut verfeinert werden, um samenbürtigen Pilzen einzudämmen. Diese sind insbesondere im biologischen Anbau von Bedeutung sind, da dort auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet wird.

LANGFRISTIGE ZUSAMMENARBEIT

Wie Keller von der Fenaco ausführte, dauert es auch bei biologischen Produkten mehrere Jahre, bis sie Marktreife erlangen und die Zulassung erhalten. "Es wäre naiv zu glauben, dass wir bereits morgen die chemischen Pflanzenschutzmittel ersetzen können." Es werde wohl auch einiges nicht funktionieren oder zumindest länger dauern, als er es gerne hätte.

Die Zusammenarbeit sei deshalb bewusst langfristig angelegt. Er sei zuversichtlich, dass sich die gewünschten Erfolge einstellen werden. "Und manchmal geht dann plötzlich alles doch sehr schnell."

(AWP)