Aktien - Anlegern steht ein stürmischer Herbst an der Börse bevor

Nach dem Sommergewitter der vergangenen Wochen ziehen Experten zufolge erneut dunkle Wolken über den Börsen auf.
08.09.2018 13:26
Gebäude der Schweizer Börse in Zürich. Der Swiss Market Index verlor in der letzten Woche 1,5 Prozent.
Gebäude der Schweizer Börse in Zürich. Der Swiss Market Index verlor in der letzten Woche 1,5 Prozent.
Bild: cash

Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyst bei der Baader Bank, sieht für die Börsen vier Probleme: "Der Handelskrieg, die Gefahr einer schmutzigen Scheidung der Briten von der EU, die italienische Schuldenkrise und natürlich die Schwellenlandkrise", sagt er. In der alten Woche verlor der Schweizer Leitindex SMI 1,5 Prozent, der deutsche Leitindex Dax gab 3,3 Prozent ab - so stark wie zuletzt vor einem halben Jahr. Auch an der Wall Street gingen die Anleger in Deckung. Der Dow-Jones-Index gab auf Wochensicht 0,2 Prozent nach, der Nasdaq verlor 2,9 Prozent.

Im Zollkonflikt stehen die Verhandlungen zwischen den USA und Kanada über einen Nachfolger für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) im Mittelpunkt. Die Gespräche könnten sich aber noch über Wochen hinziehen, warnt Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. "Ohne ein Enddatum in Sicht werden Anleger wohl nervös bleiben." Gleichzeitig drohen zusätzliche US-Strafzölle auf chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar.

"Wenn Präsident Donald Trump an der Zollschraube dreht, wird China unmittelbar zurückschlagen", prognostiziert Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Trump drohte bereits sogar mit noch weitere Zöllen. Zusätzlichen ärgern dürfte ihn, dass Chinas Überschuss im Handel mit den USA erneut auf einen Rekordwert gestiegen ist.

Bei den Schwellenländern rückt die Türkei wieder in den Vordergrund. Die dortige Notenbank berät am Donnerstag über Maßnahmen zur Stabilisierung der Währung. "Ohne eine angemessene Reaktion - also eine Zinserhöhung um 300 bis 400 Basispunkte - wird die Lira weiter abwerten und sich das Risiko der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen erhöhen", so Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. Aktuell liegt der Schlüsselsatz bei 17,75 Prozent. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat sich mehrfach gegen Zinserhöhungen ausgesprochen. Investoren sorgen sich deswegen um die Unabhängigkeit der Zentralbank.

Zehn Jahre Lehman-Kollaps

Auch bei der Europäischen Zentralbank stehen Entscheidungen an. Eine Zinserhöhung gilt zwar als ausgeschlossen. Anleger erwarten aber, dass Mario Draghi das Ende der Anleihenkäufe offiziell einläutet. Außerdem erhoffen sie sich vom EZB-Chef Hinweise, wie die Notenbank das Geld aus fällig werdenden Papieren wiederanlegen wird.

Die Bank von England wird wohl ebenfalls nicht an der Zinsschraube drehen. Sie könnte aber Hinweise liefern, ob bis zum Jahresende noch mit einer Anhebung zu rechnen ist. Jedoch sei dies nur vor untergeordnetem Interesse, sagt Commerzbank-Expertin Praefcke. "Denn viel stärker brennt dem Markt die Frage unter den Nägeln, ob sich Großbritannien und die EU auf ein Übergangsabkommen einigen können. Die Zeit wird immer knapper, da ein Abkommen von den Parlamenten aller EU-Staaten vor Ende März gebilligt werden müsste."

Entspannter blicken Börsianer dagegen auf Italien, nachdem die Regierung in Rom sich dazu bekannt hat, die Ausgaben unter Kontrolle halten zu wollen. Das Land sitzt nach Griechenland auf dem höchsten Schuldenberg in der Euro-Zone.

Die anstehenden Konjunkturdaten aus Europa und den USA werden Experten zufolge jeweils das Bild eines anhaltenden Aufschwungs bestätigen. Unter anderem stehen Zahlen zur Industrieproduktion (Europa am Mittwoch, USA am Freitag) auf dem Terminplan. Am Dienstag liefert der ZEW-Index Hinweise auf die Stimmung der deutschen Börsenprofis.

Unabhängig davon jährt sich zum Abschluss der neuen Woche die Pleite von Lehman Brothers zum zehnten Mal. Mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank weitete sich Finanzkrise massiv aus. Die weltweiten Börsen gerieten in Turbulenzen. Die Spätfolgen sind heute noch spürbar.

(Reuters/cash)