Aktien USA - Freude des US-Finanzplatzes an Trump schwindet

Die «Trump-Rally» hat die Aktien der grossen US-Banken nach der US-Wahl beflügelt. In der Hoffnung auf Steuersenkungen und gelockerte Regeln an den Finanzmärkten rieb man sich an der Wall Street die Hände.
14.04.2017 17:31
US-Präsident Donald Trump.
US-Präsident Donald Trump.
Bild: Bloomberg

Doch inzwischen hat die Euphorie nachgelassen. Obwohl Donald Trump die Wall Street im Wahlkampf heftig kritisierte, zählten die US-Banken an der Börse zunächst zu den grössten Profiteuren seiner Präsidentschaft. Das Versprechen, die Steuern zu senken, Konjunkturpakete zu schnüren und den Geldhäusern die nach der letzten Finanzkrise angelegten Zügel wieder zu lockern, entfachte Euphorie bei Anlegern. Inzwischen kommen jedoch zunehmend Zweifel an den Erfolgsaussichten dieser Pläne auf.

Die "Trump-Rally" katapultierte die Aktienkurse grosser US-Banken wie Goldman Sachs oder Bank of America nach der Wahl in die Höhe. Obwohl der Börsen-Boom inzwischen abklingt, profitierten die Banken zu Jahresbeginn von der regen Aktivität an den Märkten. Das zeigten am Donnerstag die ersten Zahlen aus der Branche für das erste Quartal.

JP Morgan und Citigroup konnten die hohen Erwartungen der Analysten sogar noch übertreffen. Beide steigerten den Überschuss vor allem dank eines florierenden Anleihehandels im Jahresvergleich um je 17 Prozent auf 6,4 beziehungsweise 4,1 Milliarden Dollar. Auch Rivale Wells Fargo, der auf umfassende Investmentgeschäfte verzichtet, verdiente trotz eines Skandals um Scheinkonten weiter glänzend und verbuchte unter dem Strich einen Gewinn von 5,5 Milliarden Dollar.

Trump-Party stockt

Die Ratingagentur Standard & Poor's schürt auch für den Rest des Jahres Hoffnungen bei Anlegern: Eine "regulatorische Entspannung" könne die Profitabilität der Banken erhöhen, wovon Aktionäre profitieren würden. Die Kehrseite: Laschere Regeln dürften auch das Risiko an den Märkten wieder steigern, warnen die Bonitätsprüfer. Mittlerweile ist die grosse Trump-Party bei den Finanzwerten aber ohnehin ins Stocken geraten, wenngleich aus einem anderen Grund.

Börsianer fürchten weniger steigende Risiken, sie werden vielmehr skeptisch, ob und wann Trump seine grossen Versprechen überhaupt erfüllen kann. Das Scheitern der Gesundheitsreform holte die Finanzwelt auf den Boden der Realität zurück. Nun stellt man sich die Frage, ob der selbst ernannte Weltklasse-"Dealmaker" im Weissen Haus imstande ist, bei seinen anderen Ankündigungen wie Steuerreform und Banken-Entfesselung die gewünschten Ergebnisse zu liefern.

Anfang Februar hatte Trump per Dekret angeordnet, die Gesetzesreform Dodd-Frank Act auf den Prüfstand zu stellen. Es ist kein Geheimnis, dass der Präsident von den Regeln, mit denen Banken nach der Finanzkrise 2008 in die Schranken verwiesen werden sollten, nicht viel hält. Trump hat in seiner Regierung Ex-Investmentbanker wie Finanzminister Steven Mnuchin oder Spitzenberater Gary Cohn um sich geschart, beide waren früher für Goldman Sachs tätig.

Schwache Argumente

Hauptargument, die Regeln wieder zu lockern, ist eine angeblich zu schwache Kreditvergabe der Banken, die nach Ansicht des Präsidenten zu viel Kapital als Risikopuffer vorhalten müssen. "So viele Freunde von mir, die schöne Unternehmen hatten, können kein Geld leihen", klagt Trump. Daten der Notenbank zeigen indes, dass die Kreditvergabe in den letzten drei Jahren um fast sieben Prozent zugelegt hat.

Ob die Trump-Regierung wirklich wie beabsichtigt die Axt an den Dodd-Frank Act anlegen kann, bleibt abzuwarten. Die Deregulierung der Finanzmärkte dürfte zwar leichter fallen als das Mammutprojekt Steuerreform. Bei der US-Notenbank etwa kann Trump den Posten des Bankenaufsehers neu besetzen, nachdem mit Daniel Tarullo ein einflussreicher Gegenspieler seinen Rücktritt eingereicht hat. Ähnlich sieht es an der Spitze der Börsenaufsicht SEC aus.

Dennoch zweifeln Experten an tiefgreifenden Änderungen. "Trotz der Position des Weissen Hauses ist es unwahrscheinlich, dass der Kongress den Grossteil von Dodd-Frank zurücknimmt", meint Experte Robert Pozen von der Washingtoner Denkfabrik Brookings. Denn dafür seien 60 Stimmen im Senat nötig - die Republikaner hätten aber nur 52. In den letzten Wochen setzte auch an der Börse Ernüchterung ein - die Aktien der grossen US-Banken gerieten unter Druck.

(AWP)