Aktienmärkte auf Talfahrt - Ist die Trump-Rally bereits zu Ende?

Die Aktienmärkte reagieren negativ auf das Scheitern Donald Trumps bei der Gesundheitsreform. cash hat bei Experten nachgefragt, ob nun das Ende der Börsenhausse gekommen ist.
27.03.2017 15:18
Von Pascal Züger
US-Präsident Donald Trump.
US-Präsident Donald Trump.
Bild: Bloomberg

Am Freitag erteilte der republikanisch dominierte US-Kongress Donald Trump eine Niederlage bezüglich Gesundheitsreform. Die Republikaner, die Partei von Donald Trump, zogen den Gesetzesentwurf für eine neue Gesundheitsversorgung zurück, da man die Erfolgsaussichten als zu gering ansah (cash berichtete).

Die Folge: Der Nikkei fiel heute um 1,4 Prozent, der SMI tauchte zwischenzeitlich um 1 Prozent. Gleichzeitig hievte sich der Franken gegen den US-Dollar auf den höchsten Stand seit viereinhalb Monaten (Dollar: 98,52 Rappen) und Gold kletterte um 1,2 Prozent auf ein Vier-Wochen-Hoch von 1259,21 Dollar pro Feinunze.

Dass Trump die Gesundheitsreform nicht durchsetzen konnte, wird im Markt als schlechtes Zeichen für das Gelingen der Steuerreform und weitere geplante Massnahmen wie Investitionen in die Infrastruktur oder die Deregulierung des Finanzsektors gewertet.

Es ist der bis anhin grösste Dämpfer für die Trump-Rally, der allerdings bereits vor einem Monat die Puste auszugehen begann:  In den letzten vier Wochen gab der Dow Jones um 1,2 Prozent nach. Unklar ist, ob es sich damals lediglich um Gewinnmitnahmen handelte, der US-Zinschritt von Mitte März Anleger Aktien abstossen liess, oder ob Zweifel am Erfolg von Trumps Politik aufkamen.

Kurze Korrektur, kein Bärenmarkt

Kommt nun die grosse Trendwende am Aktienmarkt? Nein, wenn man der Meinung verschiedener Marktteilnehmer Glauben schenken will:  "Ein erneutes Scheitern, etwa beim kürzlich eingebrachten Budgetentwurf, könnte die Zweifel an der raschen Umsetzung unternehmensfreundlicher Massnahmen in den USA noch verstärken", sagt dazu zwar Arno Endres, Leiter Finanzanalyse der Luzerner Kantonalbank, zu cash. Letztlich rechnet er aber damit, dass die neue US-Regierung einen unternehmerfreundlichen Kurs fahren wird, auch wenn es "etwas länger als ursprünglich gedacht" dauern werde. "Das dürfte den Märkten weiteren Rückenwind verleihen", so Endres.

Andere Experten sehen ebenfalls keine unmittelbare Absturzgefahr: "Angesichts der starken Zugewinne in den letzten Monaten tut der Börse die eingeschlagene Konsolidierung grundsätzlich gut", meint Bernd Hartmann, Chefstratege der VP Bank Gruppe, auf cash-Anfrage. Das System der Gewaltenteilung funktioniere und Trump müsse sich aktiv, auch in Form von Zugeständnissen, um die Zustimmung seiner Parteikollegen in den beiden Kammern bemühen. Dies schränke seinen politischen Radius ein, was insbesondere bei protektionistischen Fragen wie der Einführung einer "Border Adjustment Tax" ganz im Sinne der der Wirtschaft und Börse sei.

Auch die  ZKB spricht in einem Kommentar von einer längst überfälligen Korrektur, welche nur temporär sei und ein Potenzial von 5 bis maximal 10 Prozent besässe. Die Aktienmärkte würden erst dann massiv unter Druck geraten, wenn Anzeichen einer deutlichen wirtschaftlichen Abschwächung erkennbar seien.

Uneinigkeit über das Potenzial von Schweizer Aktien

Von einer solchen wirtschaftlichen Abschwächung ist derzeit noch nichts zu spüren. Aktuelle Konjunkturindikatoren deuten auf eine gute Verfassungen der US-Wirtschaft hin: Die Arbeitslosigkeit liegt unter 5 Prozent,  die Inflation nähert sich der 3-Prozent-Marke und die Wirtschaft wächst mit über 2 Prozent. Darüber hinaus können die US-Unternehmen ein Gewinnwachstum verzeichnen.

Auch in Europa befindet sich das Wachstum auf einem guten Pfad, die Daten hellen sich zunehmend auf. Heute hat etwa der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland gezeigt, dass sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft überraschend verbessert hat.

Was bedeutet das für den Schweizer Aktienmarkt? "Auch in der Schweiz dürfte die konjunkturelle Erholung in Europa zu positiven Gewinnrevisionen führen. Zudem sind die wichtigen Sektoren Finanz und Gesundheit in den letzten Jahren hinter dem Gesamtmarkt zurückgeblieben und bieten noch Erholungspotenzial", so Endres von der LUKB. Der SPI habe daher in diesem Jahr noch Aufwärtspotenzial von 4 bis 5 Prozent.

Anders sieht dies Hartmann von der VP Bank, welcher mit einer Seitwärtsbewegung an der Schweizer Börse rechnet: "Im internationalen Vergleich gibt es nur wenige Gründe, die für den breiten Schweizer Aktienmarkt sprechen. Die Bewertungen sind mittlerweile recht hoch und das Gewinnwachstum ist unterdurchschnittlich."