Aktienmärkte - Frankreich-Wahl legt Basis für Fortsetzung der Börsenrally

Während in Grossbritannien die Unsicherheit regiert, schüren die französischen Parlamentswahlen den Optimismus der Anleger.
17.06.2017 05:09
Emmanuel Macron, Staatspräsident von Frankreich.
Emmanuel Macron, Staatspräsident von Frankreich.
Bild: Bloomberg

Sie hoffen nun auf rasche Wirtschaftsreformen durch Präsident Emmanuel Macron. "Dies könnte durchaus weitere internationale Investoren in die Eurozone locken", sagt Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Euro-Aktien werden für ausländische Investoren damit noch einmal attraktiver."

Bei der ersten Runde der französischen Parlamentswahl errang Macrons Partei "La Republique en marche" rund ein Drittel der Stimmen. Damit winken ihr bei der zweiten Runde am 18. Juni mehr als 400 der insgesamt 577 Mandate. Die zu erwartende komfortablen Mehrheit sollte Macron ausreichend Rückendeckung für die angestrebten Reformen bieten, betonen die Experten der Postbank.

"Das im Vorfeld mitunter als politisches Risiko bezeichnete Superwahljahr in Europa verläuft bisher ganz im Sinne der Finanzmärkte", sagt Anlage-Experte Christian Nemeth von der Zürcher Kantonalbank. Der Ausgang der Parlamentswahlen in den Niederlanden und der Sieg des Europa-Befürworters Macron bei der Präsidentenwahl im Mai hätten die Furcht vor einem Zerfall der Euro-Zone gedämpft. Zusätzlicher Schub komme von der Konjunktur. "Die Wirtschaftsdaten deuten immer mehr darauf hin, dass die Wachstumsbeschleunigung im Jahr 2017 nicht nur die Industriestaaten, sondern auch die Schwellenländer erfasst."

Auch bei den Unternehmen laufe es rund, ergänzt Fondsmanagerin Nicholette MacDonald-Brown vom Vermögensverwalter Schroders. "Die zurückliegende Ertragssaison im ersten Quartal ist die beste, die Europa in den vergangenen sieben Jahren erlebt hat. Viele Unternehmen übertreffen ihre Absatz- und Gewinnprognosen."

Experte mahnt jedoch zur Besonnenheit

Darüber hinaus hätten die europäischen Börsen unter anderem wegen der Staatsschuldenkrise Nachholbedarf, sagt Hartwig Kos, stellvertretender Chef-Anleger des Vermögensverwalters SYZ. "Nun kehren internationale Investoren wieder zurück." Seit der Stichwahl um die französische Präsidentschaft Anfang Mai eilt der Dax von Rekord und Rekord und stieg zeitweise auf 12.878,59 Punkte. Der Pariser Auswahlindex CAC40 kletterte auf ein Neuneinhalb-Jahres-Hoch von 5442,10 Zählern.

Camilla Nathhorst Odevall vom Vermögensverwalter Edmond de Rothschild erwartet von der neuen französischen Regierung schon bald erste Reformerfolge. Diese könne mit vergleichsweise geringen Änderungen bereits viel erreichen. Gleichzeitig setzt sie auf den Pragmatismus des neuen Präsidenten. "Macron weiss, dass Reformen notwendig sind, diese aber vorsichtig umgesetzt werden müssen." Sollte Macrons Partei die absolute Mehrheit der Parlamentssitze erringen, könnte dies sogar den Startschuss für eine sogenannte Great Rotation bedeuten. Eine umfangreiche Umschichtung von Anleihen in Aktien könnte letzteren prozentual zweistellige Kursgewinne bescheren.

SYZ-Experte Kos mahnt jedoch zur Besonnenheit. "Macron steht vor einer schweren Aufgabe. Sein Reformprogramm ist ambitioniert." Er habe zudem von Anlegern bereits viel Vorschusslorbeeren erhalten. Daher bestehe das Risiko von Enttäuschungen.

Geoffroy Lenoir, Chef des Geschäfts mit europäischen Staatsanleihen beim Vermögensverwalter Aviva Investments, warnt zudem vor möglichen Protesten wie gegen die Arbeitsmarktreform des bisherigen Präsidenten Francois Hollande. "Aber als ehemaliger Wirtschaftsminister wird Macron aus den Fehlern seines Vorgängers gelernt haben und sicherstellen, dass die notwendige politische Unterstützung vorhanden ist, bevor er solch einen Prozess beginnt."

(Reuters)