Kolumne

Aktienmärkte - Ich gestehe: Ich habe eine Schwäche für aberwitzige Börsenprognosen

Der Superbowl-Indikator ist derart schräg, dass er schon wieder gut ist. Demnach wird 2019 ein mieses Börsenjahr.
04.02.2019 14:40
Von Claude Chatelain
Ich gestehe: Ich habe eine Schwäche für aberwitzige Börsenprognosen
Bild: Shane Wilkinson

 

Die Kolumne "Gopfried Stutz" erschien zuerst im 

 

Letzte Nacht fand in Atlanta der Superbowl statt, das grösste Sportereignis der USA, das weit über die US-Grenzen hinaus Beachtung findet. Rund um den Erdball sollen es eine Milliarde Zuschauer sein, die dieses Sportspektakel verfolgen. Ich gehörte nicht dazu; mein Sohn hingegen schon.

Es ist so etwas wie der Cupfinal im American Football, in dem die Sieger der American Football Conference (AFC) und der National Football Conference (NFC) aufeinandertreffen.

Ich schreibe alle Jahre über diesen Anlass, denn ich habe eine Schwäche für aberwitzige Börsenprognosen, so auch für den Superbowl-Indikator. Er ist derart schräg, dass er schon wieder gut ist. Dummerweise ist er mindestens so treffsicher wie sogenannt seriöse Prognosen.

Der Superbowl-Indikator sagt folgendes: Gewinnt das Team der NFC, also die Los Angeles Rams, steigen die US-Aktien bis Ende Jahr. Siegt dagegen der Vertreter der AFC, heuer sind das zum dritten Mal in Folge die New England Patriots, erleben wir eine Baisse.

Gewiss, in den zurückliegenden drei Jahren hat der Indikator versagt. Zum Glück, möchte ich sagen, sonst würde ich auch noch der Versuchung erliegen, diesem Aberglauben zu verfallen.

1978 soll ein Sportreporter der New York Times die Korrelation zwischen dem Sportereignis und der Aktienkursentwicklung herausgefunden haben. Bis zu jenem Jahr traf der Indikator in zehn von elf Fällen zu. Und später zeigte sich, dass zwischen 1967 und 2017 der Indikator in 40 von 50 Fällen das korrekte Ergebnis vorausgesagt hatte. Eine traumhafte Trefferquote von 80 Prozent. Gemessen am Standard&Poor’s 500, der die Aktienkursentwicklung breiter abbildet als der Dow Jones, liegt die Trefferquote immer noch bei 74 Prozent. Das entnahm ich einer Mitteilung der deutschen Fondsgesellschaft AMF Capital.

Bei anderen Börsenregeln wie "Sell in May and go away", "Greife nie in ein fallendes Messer" oder "Wie der Januar, so das ganze Jahr" kann man aufgrund verhaltenspsychologischer Beobachtung in etwa nachvollziehen, weshalb sie womöglich nicht völlig abwegig sind.  

Hingegen beim Superbowl ist ein psychologischer oder gar ökonomischer Zusammenhang auch mit der grössten Fantasie nicht auszumachen.

Keine psychologische oder ökonomische, aber eine statistische Erklärung für den verblüffenden Zusammenhang zwischen American Football und Börse könnte ich mir aber durchaus vorstellen. Unbestritten ist, dass es mehr Jahre mit steigenden Aktienkursen gibt als Jahre mit fallenden. Und wenn die Teams der NFC übers Ganze gesehen stärker wären als jene der AFC, könnte der Superbowl-Indikator allein aus Wahrscheinlichkeitsüberlegungen eine bessere Aussagekraft haben, als wenn man eine Münze aufwirft.

Aufgrund solcher Überlegungen könnte man aber auch folgern: Schneit es im Januar, steigen die Aktien.

 

Claude Chatelain

Claude Chatelain (geb. 1953) ist Kolumnist beim «SonntagsBlick». In der Kolumne «Gopfried Stutz» beschreibt er wöchentlich seine Beobachtungen auf dem Gebiet der Vorsorge, der Versicherungen und der Anlageberatung. Zuvor schrieb der langjährige Wirtschaftsjournalist für die Wirtschaftszeitung Cash und die «Berner Zeitung». Von 1991 bis 1998 betreute der studierte Ökonom im «Blick» die Ratgeber-Kolumne «Chatelain rät».