Aktienmarkt - Wall Street ist alarmiert wegen Handelsstreit

Die US-Aktienanleger sind während der diesjährigen Eskalation der Handelsspannungen gelassen geblieben. Aber die Warnungen der Wall Street werden immer lauter.
15.09.2018 18:45
An der Wall Street macht sich die Angst vor einer Rezession breit.
An der Wall Street macht sich die Angst vor einer Rezession breit.
Bild: pixabay.com

Goldman Sachs und JPMorgan haben sich eingeschaltet und die potentielle Gefahr für die amerikanischen Unternehmen hervorgehoben, wenn ein ausgewachsener Handelskrieg ausbricht. In separaten Einschätzungen in dieser Woche haben die Strategen der Banken die mögliche Belastung für die Unternehmensergebnisse bewertet. Goldman-Chefstratege David Kostin geht so weit, in einem Szenario, in dem die USA zehn Prozent Zölle auf alle Importe verhängen, einen Bärenmarkt vorauszusagen.

Seine Bedenken entsprechen denen des Strategen Keith Parker von der UBS Group, der vergangene Woche Investoren mit der Warnung alarmierte, die beeindruckende Widerstandsfähigkeit der US-Aktien sei bedroht, da Präsident Donald Trump eine neue Runde von Abgaben gegen China plane. Und für Morgan Stanley hat sich angesichts der globalen Zurückführung von geldpolitischen Anreizen auch die Aussicht für Aktien eingetrübt.

"Wir sind derzeit bei Morgan Stanley nicht so optimistisch für Aktien weltweit", sagte Jonathan Garner, Chefstratege für Asien und Emerging Markets, am Donnerstag in Hongkong. "Der letzte Schritt, den wir auf der US-Seite gemacht haben, war zu empfehlen, Positionen in US-Aktien zu reduzieren", sagte er in einem Interview mit Bloomberg Television.

Libor-gebundende Produkte werden empfohlen

Morgan Stanley empfiehlt stattdessen verbriefte Produkte, die an den Libor gebunden sind, "um von den höheren kurzen Renditen zu profitieren", so Garner.

Während all die Ängstlichkeit konträr zur Einstellung der Anleger zu sein scheint - in Anbetracht der Tatsache, dass diese den S&P 500 Index in Richtung auf das beste Jahr seit 2014 im Vergleich zum Rest der Welt getrieben haben - fällt sie doch mit wachsender Unruhe unter den Führungskräften der Unternehmen zusammen.

Nach der Auswertung von mehr als 7.000 Geschäftsberichten und Telefonkonferenzen stellte JPMorgan fest, dass die Zölle in der letzten Berichtssaison die Steuersenkungen überlagerten und 35 Prozent der Unternehmen sie als Bedrohung ansahen. Die Strategen der Bank um Dubravko Lakos-Bujas schätzen, dass der kombinierte Gewinn je Aktie für die Unternehmen im S&P 500 um bis zu 10 Dollar sinken könnte, wenn bilaterale Zölle von 25 Prozent auferlegt werden. Die diesjährige Gewinnprognose für die Benchmark beträgt 165 Dollar je Aktie.

Machen Zölle das Wachstum zunichte?

"Eine Handelseskalation könnte den Gewinn je Aktie für die nächsten Jahre erheblich belasten, vor allem im nächsten Jahr", schrieb Lakos-Bujas.

Goldmans Kostin malte ein noch düstereres Bild. Zölle von 25 Prozent für chinesische Güter könnten das Wachstum für die S&P 500-Unternehmen im nächsten Jahr zunichte machen. Und in einem extremeren Fall, in dem die USA Abgaben auf alle globalen Importe erheben, könnten die Gewinne um zehn Prozent sinken, da die Kosten für die Amerikaner steigen, schätzt die Bank.

Die Anlegerstimmung könnte ebenfalls leiden und die Bewertungen nach unten drücken. Infolgedessen könnte das Worst-Case-Szenario dazu führen, dass der S&P 500 auf 2.230 Zähler fällt, schrieb Kostin Anfang dieser Woche in einer Einschätzung. Das wäre ein Rückgang von 23 Prozent gegenüber dem Rekordstand von 2.914 Punkten im letzten Monat und würde die traditionelle Definition eines Bärenmarktes erfüllen.

Der S&P 500 ist in diesem Jahr um acht Prozent gestiegen, verglichen mit einem Rückgang von sechs Prozent im MSCI World ex-US Index.

(Bloomberg)