Aktionärsrechte - Steigende Opposition gegen Vergütungsberichte der Unternehmen

Der Widerstand der Aktionäre gegen Vergütungsberichte der Schweizer Unternehmen hat dieses Jahr zugenommen, vor allem bei Firmen aus dem Finanzwesen.
22.08.2017 10:55
Aktionäre bei einer Generalversammlung von Credit Suisse.
Aktionäre bei einer Generalversammlung von Credit Suisse.
Bild: cash

Die Zustimmungsquote bei den 100 grössten SPI-Unternehmen sank laut der Anlagestiftung Ethos von 86,5 Prozent auf 85,7 Prozent. Besonders stark war die Opposition bei Finanzunternehmen. Die Vergütungen der Geschäftsleitung wurden hier im Durchschnitt mit nur 79,6 Prozent angenommen, gegenüber 92,4 Prozent in anderen Sektoren. Dies geht aus der Auswertung der diesjährigen Generalversammlungen durch Ethos hervor.

Während die durchschnittlichen Vergütungen konstant blieben, kassierten die Geschäftsleitungen in den grössten Finanzfirmen 6 Prozent mehr Lohn. Gleichzeitig sanken die Gewinne um 12 Prozent.

"Der fehlende Zusammenhang zwischen dem Vergütungsniveau der Führungsinstanzen und der Unternehmensleistung wird von den Aktionären mit Recht immer häufiger sanktioniert", lässt sich Ethos-Direktor Vincent Kaufmann in einer Mitteilung vom Dienstag zitieren.

Kontrolle bei allfälligen Exzessen

Bei den durch die Minder-Initiative ermöglichten Konsultativabstimmungen über die Vergütung von Verwaltungsrat sowie Geschäftsleitung manifestierte sich der Aktionärsfrust deutlich. So wurden 21 Prozent der Konsultativabstimmungen über den Vergütungsbericht von weniger als 80 Prozent der Aktionäre unterstützt. Im Vorjahr waren es nur 16 Prozent.

Weniger stark war der Widerstand gegen andere Traktanden wie etwa die Wahl der Verwaltungsräte oder Entlastungen. Laut Ethos lag die durchschnittliche Zustimmungsquote für alle Traktanden der 100 grössten SPI-Firmen bei 95,4 Prozent (2016: 96,3 Prozent).

Im Zusammenhang mit der Revision des Aktienrechts ist es Ethos ein grosses Anliegen, dass die Aktionäre allfällige Exzesse besser kontrollieren können. Deshalb fordert Ethos, die Revision müsse verbieten, dass die Aktionäre prospektiv über die variable Vergütung der Geschäftsleitung abstimmen können. Solche Abstimmungen im Voraus entsprächen einem Blankocheck, betont Ethos.

(SDA)