Alkohol, Tabak, Kokain - Die Schweiz, ein Paradies für Sünder

Nikotin, Alkohol und harte Drogen: In der Schweiz kommen Liebhaber toxischer Substanzen sprichwörtlich auf ihre Kosten. Denn fast nirgendwo sonst auf der Welt kann man günstiger «high» werden.
15.06.2017 11:17
Von Ivo Ruch
Kokain und Ecstasy: In der Schweiz sehr erschwinglich.
Kokain und Ecstasy: In der Schweiz sehr erschwinglich.
Bild: pixabay.com

Die Schweiz ist in vielem Spitzenreiter. Auch bei den Drogen. Eine Packung Zigaretten, eine Flasche Wein, eine Pille Ecstasy sowie je ein Gramm Cannabis, Kokain und  Heroin. Dieser Drogencocktail kostet in der Schweiz im Durchschnitt rund 240 Dollar (232 Franken).

Das ist im internationalen Vergleich ein sehr tiefer Wert. In Japan kostet derselbe Warenkorb 1442 Dollar. Teuer sind Drogen in absoluten Zahlen auch in Neuseeland und Australien. Diese Daten entstammen dem "Bloomberg Vice Index". Der gross angelegte Drogen-Vergleich der Nachrichtenagentur bezieht sich auf den "World Drug Report" der Vereinten Nationen, auf Daten der Weltgesundheitsorganisation sowie eigene Recherchen.

Die Untersuchung zeigt: Harte Drogen wie Kokain sind umso günstiger je näher der Produktionsort (Honduras, Chile). Bei Alkohol und Zigaretten spielen hingegen die Steuern eine grosse Rolle.

Führende Industrieländer

Bloomberg vergleicht die Kosten für Drogen zudem mit dem wöchentlichen Einkommen der Bevölkerung. Und in diesem Verhältnis ist die Schweiz weltweit mitführend. Nur der Kleinstaat Luxemburg steht im "Global Vice Index" vor der Schweiz. Auf Rang drei kommen die Bahamas. Daneben sind auch die europäischen Staaten Belgien, Niederlande, Island, Frankreich und Deutschland in den Top Ten.

Hauptgrund für die Dominanz der Industrieländer sind die hohen Löhne im Vergleich mit den vergleichsweise tiefen Drogenpreisen. Die Schweizerinnen und Schweizer müssen rund 16 Prozent ihres wöchentlichen Einkommens opfern, um den oben beschriebenen Drogen-Warenkorb zu kaufen.  In Honduras, wo die Drogen zwar sehr billig sind, aber die Löhne am Boden, sind es 89 Prozent – im inflationsgeplagten Venezuela gar 1763 Prozent, wie die folgende Grafik zeigt.

Die Erschwinglichkeit von Drogen in der Schweiz hat ihre Schattenseiten. Die Stiftung "Sucht Schweiz" kritisiert immer wieder, dass sich Politik und Wirtschaft nicht um suchtmittelbedingte Probleme kümmere. In einer Mitteilung schrieb der Bundesrat kürzlich, jeder siebte Todesfall in der Schweiz habe mit Rauchen zu tun, hinter jeder sechsten psychiatrischen Diagnose und bei der Hälfte aller Straftaten spiele Alkohol eine Rolle. Und: Die gesellschaftlichen Kosten von Sucht in der Schweiz betragen jährlich mehrere Milliarden Franken.

Übrigens: Im Kongo kostet der Drogen-Warenkorb bloss 20 Dollar. Auch in Honduras und Peru muss für die verschiedenen Substanzen 50 Dollar oder weniger hingeblättert werden. In insgesamt 18 Ländern sind es weniger als 100 Dollar. Auf dem Sünden-Index stehen diese Länder aber auf den hinteren Plätzen, weil das Wocheneinkommen einige Dutzend Dollar beträgt.