Alpiq kritisiert Elcom-Bericht zu Wasserkraft - "Lage weitaus schlechter"

Alpiq rechnet in den kommenden Jahren mit hohen Verlusten aus der Wasserkraft. Dabei kritisiert der Energiekonzern einen Bericht der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) zuhanden der nationalrätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie. Dies hatte die "Schweiz am Wochenende" publik gemacht, indem sie Teile aus einem eigentlich vertraulichen Schreiben Alpiqs an die Kommission veröffentlichte.
04.09.2017 14:10

Die Lage für die Schweizer Wasserkraft im liberalisierten Markt sei weitaus schlechter als von der ElCom dargestellt, heisst es in einer Stellungnahme des Energiekonzerns zum Medienbericht. Alpiq ist der Meinung, dass die Behörde in dem Bericht nicht unterscheide zwischen den Verteilnetzgesellschaften im Monopol und jenen Stromproduzenten, die heute ihre Wasserkraft defizitär im liberalisierten Markt absetzen müssten.

Dabei bezieht sich das Unternehmen darauf, dass der Schweizer Strommarkt derzeit zweigeteilt ist. Seit 2009 können Stromverbraucher mit über 100'000 Kilowattstunden pro Jahr ihren Versorger frei wählen. Ursprünglich war für 2014 dann die vollständige Marktöffnung vorgesehen, die bis heute auf sich warten lässt. Das heisst, im nicht liberalisierten Teil gibt es für Endkunden regulierte Tarife, die sich an den Gestehungskosten orientieren.

HOHES DEFIZIT TROTZ MARKTPRÄMIE

Wegen dieser Teilmarkliberalisierung stünden in der Schweiz rund 700 Verteilnetzbetreiber mit gewinnbringender Wasserkraftproduktion und reguliertem Netz im Monopol auf der einen Seite einer Handvoll reiner Stromproduzenten im liberalisierten Markt gegenüber, so Alpiq weiter. Letztere seien für über 40% der Wasserkraftproduktion verantwortlich und für mehr als die Hälfte der gesamten Stromproduktion der Schweiz. Alpiq drängt daher auf politische Sofortmassnahmen als Übergangslösung bis zur vollständigen Liberalisierung und der Einführung eines neuen Marktmodells.

In der "Schweiz am Wochenende" heisst es, dass Alpiq die ungedeckten Verluste in dem "vertraulichen" Schreiben für 2018 auf 134,3 Mio CHF beziffere. Kumuliert bis 2021 verblieben damit demnach ungedeckte Kosten in der Höhe von über 711 Mio CHF. Rechne man die Kosten der anderen Stromkonzerne dazu, stiegen die ungedeckten Kosten auf 2,2 Mrd CHF über die nächsten vier Jahre. Selbst wenn die Wasserkraftwerke ab 2018 die zugesagte Marktprämie (befristeter Zuschuss) von 120 Mio CHF im Jahr erhalten, verändere sich die finanzielle Lage nicht grundlegend.

Alpiq bestätigt diese Zahlen nicht, schreibt aber: Es sei mehrfach kommuniziert worden, dass das errechnete Gesamtdefizit der Schweizer Wasserkraft - also nicht nur für reine Stromproduzenten - rund 1 Mrd CHF pro Jahr betrage. Die eine Hälfte, zuzüglich einer regulierten Gewinnmarge für die Verteilgesellschaften, werde von den Schweizer Endkunden gedeckt. Die restlichen 500 Mio CHF Defizit würden die Stromproduzenten im liberalisierten Markt tragen. Denn Fakt sei, dass die Termin-Preise am Grosshandelsmarkt für die Kalenderjahre 2018 bis 2021 im Durchschnitt unterhalb der Gestehungskosten der Wasserkraft liegen.

Das nicht gedeckte Defizit - inklusive Berücksichtigung der Marktprämie - schätzt Alpiq laut eigenen Angaben auf 101,6 Mio CHF 2018, 157,2 Mio 2019, 156,2 Mio 2020 und 149,5 Mio 2021.

BERECHNUNGEN LAUT ZKB UNVOLLSTÄNDIG

Die ZKB kritisiert die Berechnungen und eine fehlende Transparenz. Zum Beispiel werde weder auf die unterschiedlichen Produktionskostenannahmen noch die unterschiedlichen erwarteten Verkaufspreise eingegangen. Alpiq erwähne lediglich die aktuellen Grosshandelspreise für Bandenergie, während die ElCom "richtigerweise" auch die Preise für Spitzenlast und allfällige Erträge aus Systemdienstleistungen für Swissgrid berücksichtige.

Zudem weise die ElCom in ihrem Bericht darauf hin, dass die Aktionäre - der sich vielfach im öffentlichen Besitz befindlichen Konzerne - finanziell gut dastünden und die Eigentümer den notleidenden Unternehmen unter die Arme greifen könnten, so Analyst Sven Bucher. Ein mögliches "Opfer" von Aktionären sei nicht ausgeschlossen.

Es dürften wohl noch viele und wohl auch kontroverse politische Diskussionen geführt werden, bevor entschieden wird, ob und in welchem Rahmen allenfalls Sofortmassnahmen in Form von finanzieller Unterstützung für die Schweizer Wasserkraftwerke ergriffen werden, so das Fazit des Experten.

An der Börse verliert die Alpiq-Aktie gegen 13.15 Uhr bei geringen Volumen 0,6% auf 82,10 CHF und damit etwas weniger als der Gesamtmarkt (SPI: -0,8%).

ys/rw

(AWP)