Alterndes Japan hebt Mehrwertsteuer an - Sorgen um Konjunktur

Japan hat zur Deckung der steigenden Sozialkosten erstmals seit fünf Jahren die Mehrwertsteuer angehoben. Die Verbrauchssteuer wurde am Dienstag von acht auf zehn Prozent erhöht. Hintergrund ist der schnell steigende Anteil älterer Menschen in dem Land.
01.10.2019 12:33

Frühere Anhebungen der Mehrwertsteuer - 1997 von drei auf fünf Prozent und 2014 auf acht Prozent - hatten die Konjunktur jeweils empfindlich geschwächt. In der vor Deutschland drittgrössten Volkswirtschaft der Welt tragen die privaten Konsumausgaben zu rund 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes bei.

Ministerpräsident Shinzo Abe hatte denn auch aus Sorge, dass eine weitere Anhebung der Steuer auch diesmal die Wirtschaftserholung des hoch verschuldeten Industriestaates abwürgen könnte, zweimal verschoben. Doch sieht er den Schritt jetzt als unausweichlich an.

Die japanische Bevölkerung schrumpft angesichts der rapiden Alterung bei niedrigen Geburtenraten schon seit Jahren. Als Folge steigen die Sozialkosten, zu deren Finanzierung soll die höhere Verbrauchssteuer dienen.

Das Wirtschaftsklima in Japan ist bereits eingetrübt. Die Stimmung unter den Managern der Grossindustrie ist sogar so schlecht wie seit 2013 nicht mehr, wie aus einer am Tag der Steuererhöhung veröffentlichten Quartalsumfrage (Tankan-Bericht) der Notenbank unter rund 10 000 Unternehmen hervorgeht. Der darin ermittelte Stimmungsindex für die grossen Produktionsunternehmen fiel zum September von plus 7 auf plus 5. Ein positiver Index bedeutet allerdings, dass die Optimisten weiterhin in der Mehrheit sind.

Um negative Auswirkungen der Steueranhebung auf die Kaufbereitschaft der Verbraucher zu mildernn, gelten für verschiedene Produkte seit Dienstag unterschiedliche Steuersätze. So betrifft die Anhebung auf 10 Prozent die meisten Güter und Dienstleistungen wie Kleidung, Haushaltsgeräte oder Arztrechnungen. Für Haus- oder Autokäufe gelten dagegen Steuerermässigungen. Zudem sind Lebensmittel für Haushalte mit niedrigen Einkommen von der Steueranhebung ausgenommen./ln/DP/jha

(AWP)