Amsterdam wird nach Brexit neuer Standort der EU-Arzneiagentur

Die EU-Arzneiagentur (EMA) wird wegen des Brexit von London nach Amsterdam übersiedeln. Dies teilte Estland, das zurzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, am Montagabend in Brüssel mit.
20.11.2017 18:58

Nach der ersten Abstimmungsrunde waren noch Mailand, Amsterdam und Kopenhagen im Rennen. In der zweiten Runde schied dann Kopenhagen aus. Weil nach drei Abstimmungsrunden Gleichstand zwischen Amsterdam und Mailand war, musste schlussendlich per Los entschieden werden.

Insgesamt hatten sich 19 Städte beworben. Kurz vor der Abstimmung zogen sich aber Malta, Kroatien und Irland zurück, so dass noch 16 Kandidaten zur Verfügung standen. Gründe für den Rückzug nannten die drei Staaten keine.

Nach der EMA sollten die 27 EU-Aussen- und Europaminister auch noch über den neuen Standort für die ebenfalls in London angesiedelte Bankenaufsichtsbehörde (EBA) entscheiden. Hier hatten sich acht Städte beworben: Frankfurt, Brüssel, Dublin, Luxemburg, Paris, Prag, Warschau und Wien.

Der Umzug der Agenturen muss als nächstes noch offiziell von den EU-Staaten und dem EU-Parlament bestätigt werden. Dazu brauch es einen Gesetzesvorschlag der EU-Kommission.

WIE DER EUROVISION SONG CONTEST

Das Wahlverfahren für die neuen Standorte erinnerte ein wenig an den Eurovision Song Contest. So mussten alle 27 abstimmenden EU-Staaten in der ersten Wahlrunde drei Punkte an ihren Favoriten sowie zwei Punkte an ihre Nummer zwei und einen Punkt an ihre Nummer drei vergeben. Ab der zweiten Runde konnte jedes Land nur noch einen Punkt vergeben.

EU-Diplomaten zufolge versuchten Vertreter verschiedener EU-Staaten seit längerem schon, sich über Deals und Versprechen die Stimmen anderer Länder zu sichern.

Offiziell sollten bei der Wahl aber nur sechs Kriterien eine Rolle spielen. Dazu gehören unter anderem die Arbeitsbedingungen, die Verkehrsanbindung, die bisherige Zahl der EU-Agenturen und die Möglichkeit eines schnellen und problemlosen Umzugs.

PRESTIGETRÄCHTIGE AGENTUREN

Bei der EMA und der EBA handelt es sich um wichtige und prestigeträchtige Agenturen. Sie sind daher begehrt: Die EU-Arzneimittelbehörde etwa hat knapp 900 Beschäftigte. Sie ist eine wichtige Anlaufstelle für Vertreter der Pharmaindustrie. Die Agentur hat der britischen Hauptstadt jährlich rund 30'000 Hotelübernachtungen gebracht.

Die EU-Bankenaufsicht hat ihrerseits knapp 170 Mitarbeiter. Sie ist Teil des EU-weiten Systems zur Überwachung des Finanzsystems. Sie bewertet mögliche Risiken und Schwächen des Sektors und hilft bei der Organisation von "Banken-Stress-Tests". Besucher der Behörde brachten London im Schnitt 9000 Hotelübernachtungen pro Jahr.

Grund für die Suche nach neuen Standorte für die beiden EU-Agenturen ist der Austritt Grossbritanniens aus der EU. Die beiden Behörden sollen deshalb so schnell wie möglich in eines der 27 verbleibenden EU-Länder umgesiedelt werden.

(AWP)