Kolumne

Anlegen - Immobilien: Ich will nicht Steuern sparen, ich will Geld sparen

Die Eigenmietwert-Abschaffung wird wieder diskutiert. Bis dahin: Soll man die Hypothek nur so weit abzahlen, als dass die Schuldzinsen nicht unter den Eigenmietwert fallen? Soll man die Hypothek überhaupt amortisieren?
23.01.2019 15:05
Von Claude Chatelain
Immobilien: Ich will nicht Steuern sparen, ich will Geld sparen
Bild: Shane Wilkinson

 

Die Kolumne "Gopfried Stutz" erschien zuerst im 

 

Die Wirtschaftskommission des Ständerats (WAK) hat sich vergangene Woche erneut für die Abschaffung des Eigenmietwerts ausgesprochen. Gleichzeitig sollen die Hypothekarzinsen bei den Steuern nicht mehr oder nur noch beschränkt abgezogen werden können. Im März geht die Vorlage in die Vernehmlassung.

Aus diesem Anlass ergreife ich hier die Gelegenheit, mit einem Ammenmärchen aufzuräumen. Es besagt: Man sollte die Hypothek nur soweit abzahlen, als die Schuldzinsen nicht unter den Eigenmietwert fallen.

Der Eigenmietwert ist so etwas wie ein fiktives Einkommen, das Eigenheimbesitzer zu versteuern haben, während sie die Schuldzinsen vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen können.

Beträgt der Eigenmietwert 10'000 und die Schuldzinsen betragen 9000 Franken, so kann man 1000 Franken weniger abziehen als man wegen des Eigenmietwerts versteuern muss. Betragen aber die Schuldzinsen 12'000 Franken, so ist der steuerliche Abzug grösser als die Zusatzbelastung durch den Eigenmietwert. Je höher die Schuldzinsen, desto grösser die Steuerersparnis.

Gewiss, die Hypozinsen sind derart tief, dass sie meistens automatisch unter den Eigenmietwert fallen. Und doch kommt mir dieses Märchen wiederholt zu Ohren.

Was mich betrifft: Ich will nicht Steuern sparen, ich will Geld sparen. Mich interessiert nicht, wie viel Geld ich dem Steuervogt abliefern muss. Mich interessiert, wie viel nach Bezahlung der Steuerrechnung und der Hypothekarzinsen unter dem Strich übrig bleibt.

Nun hört man auch allenthalben, bei den heutigen tiefen Zinsen lohne es sich nicht, die Hypothek zu amortisieren. Auch hier muss ich widersprechen. Auf die Amortisation ist nur dann zu verzichten, wenn man bereit ist, den für die Abzahlung der Hypothek vorgesehenen Betrag in Wertschriften zu investieren. 

Ich kenne viele Leute, die von Aktien nichts wissen wollen: Weil sie die Märkte nicht verstehen, weil sie dem Ganzen nicht trauen oder weil sie falsch beraten wurden und schlechte Erfahrungen machten.

Solche Menschen, die ich sehr gut verstehen kann, sollten die Hypothek amortisieren, sofern sie dazu in der Lage sind. Denn wenn die Hypozinsen höher sind als der Ertrag, den ich mit dem Ersparten zu erzielen vermag, dann lohnt sich das Schuldenmachen nicht.

Beispiel: Sie verfügen über 100’000 Franken, mit denen Sie die Hypothek amortisieren könnten. Reduzieren Sie die Hypothek bei einem Hypozins von 1,2 Prozent um diese 100'000 Franken, so sparen Sie 1200 Franken an Zinsen. Diese könnten steuerlich geltend gemacht werden, so dass Sie um die 200 bis 300 Franken weniger Steuern zahlen würden. Nach Steuern beträgt somit die Belastung rund 900 bis 1000 Franken.

Und wie viel Zins gibt’s nun auf dem Sparkonto mit 100'000 Franken? Keine 900 Franken. Also: Hypothek abzahlen oder Aktien kaufen.

Claude Chatelain

Claude Chatelain (geb. 1953) ist Kolumnist beim «SonntagsBlick». In der Kolumne «Gopfried Stutz» beschreibt er wöchentlich seine Beobachtungen auf dem Gebiet der Vorsorge, der Versicherungen und der Anlageberatung. Zuvor schrieb der langjährige Wirtschaftsjournalist für die Wirtschaftszeitung Cash und die «Berner Zeitung». Von 1991 bis 1998 betreute der studierte Ökonom im «Blick» die Ratgeber-Kolumne «Chatelain rät».