Arbeiten an globaler Bankenreform dauern an

Die geplante Reform der weltweiten Kapitalregeln für Banken zieht sich hin. Der Abschluss des Reformpakets, in der Branche "Basel IV" genannt, werde länger dauern als ursprünglich erwartet, teilte der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht am Donnerstag gegen Ende eines zweitägigen Treffens mit.
02.03.2017 16:54

Ausschussmitglieder hätten aber ihre breite Unterstützung für Schlüsselaspekte der Reform bekräftigt. Der Ausschuss sei weiter entschlossen, eine Einigung zu erzielen.

Der Vorsitzende des Gremiums, der schwedische Notenbank-Chef Stefan Ingves, sprach aber von einer Annäherung der Positionen: "Die Differenzen, wo sie noch bestehen, sind kleiner geworden und die Arbeit an einer Einigung geht weiter."

Eigentlich sollten die Reformen spätestens im Januar beschlossen werden, zuletzt hatten Banken und Aufseher auf eine Einigung im März gehofft. Auf einen neuen Zeitplan wollte sich Ingves nicht festlegen.

Vor allem Europäer und Amerikaner hatten sich über die neuen Regeln zerstritten. Ein wesentlicher Streitpunkt ist der Einsatz interner Modelle, mit denen Grossbanken selbst berechnen dürfen, wie viel Eigenkapital sie für welche Geschäfte zur Seite legen müssen. Dadurch benötigen Grossbanken zumeist weniger Kapital als mit dem zentral vorgegebenen Standardansatz.

Die USA wollen den Einsatz der internen Modelle stark eingrenzen. Der Kapitalbedarf dürfe nur noch um einen bestimmten Prozentsatz unter dem Wert liegen, der sich nach dem Standardansatz ergebe. Um diesen Prozentsatz wird gerungen. Die für Januar geplante Sitzung der Chefs der Notenbanken und Bankaufsichtsbehörden, bei der das neue Regelwerk abgesegnet werden sollte, war auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Europäische Banken befürchten steigende Kapitalanforderungen und Wettbewerbsnachteile. Die Deutsche Bank hatte auf eine Einigung in Basel gewartet, weil sie derzeit an ihrer neuen Strategie arbeitet und diese adjustieren müsste, je nachdem wie der Kompromiss ausfällt. Der deutsche Branchenprimus ist eine der Banken, die interne Modelle bisher besonders stark nutzen.

In den USA sind interne Modelle für Banken weniger wichtig, weil sich Unternehmen viel stärker direkt über den Kapitalmarkt finanzieren. In Europa dominiert weiterhin der Bankkredit. Auch der Umgang mit Immobilienkrediten war einer der Knackpunkte.

Der Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump hatte für zusätzliche Unsicherheit gesorgt. Denn er will das Herzstück der Bankenreform in den USA nach der Finanzkrise, das Dodd-Frank-Gesetz, überprüfen. Das hat Sorgen ausgelöst, dass die USA das Interesse an einer international abgestimmten Bankenregulierung verlieren könnten.

(AWP)