Arbeiten im Ausland - Expats verdienen in der Schweiz am besten

Von ausländischen Unternehmen entsandte Mitarbeiter in der Schweiz verdienen im Durchschnitt mehr als 193'000 Dollar. Das ist das höchste Expat-Jahresgehalt der Welt.
07.10.2017 10:53
Für Expats lohnt sich ein Umzug in die Schweiz - zumindest finanziell.
Für Expats lohnt sich ein Umzug in die Schweiz - zumindest finanziell.
Bild: pixabay.com

Und es ist nicht nur das höchste Gehalt der Welt, sondern auch 54 Prozent mehr, als sie in ihrem Heimatland erhalten hätten, wie eine Studie von HSBC aus der vergangenen Woche ergab. Lediglich Angestellte, die von ihren Arbeitgebern in die Petrodollar-Wirtschaft Saudi-Arabiens versetzt werden, können sich über einen noch höheren Anstieg ihrer Vergütung von 58 Prozent freuen.

Die Schweiz führt das dritte Jahr in Folge das HSBC-Ranking in der Kategorie wirtschaftliche Perspektiven an, das Themenbereiche wie persönliche Finanzlage, Karrierechancen und Stärke der lokalen Wirtschaft umfasst. Fast acht von zehn Auslandsentsandten gaben an, dass ihr verfügbares Einkommen gestiegen ist, nachdem sie in das Heimatland von Credit Suisse Group, des Pharmaherstellers Roche und des Rohstoffhändlers Mercuria Energy Group umgezogen sind.

"Die Schweiz hat in der Kategorie Wirtschaft schon immer hoch abgeschnitten", sagte Dean Blackburn, Leiter von HSBC Expat. "Die meisten Auswanderer haben dort eine Vollzeitstelle mit verbesserten Verdienstaussichten. Expats in der Schweiz sind auch einige mit dem stärksten Vertrauen in die lokale Wirtschaft."

Norwegen und Deutschland liegen in der Wirtschaftskategorie auf dem zweiten und dritten Platz, gefolgt von Singapur. In der Gesamtrangliste schneidet der Stadtstaat am allerbesten ab und gilt somit das dritte Jahr als beliebtestes Auswanderungsziel für Berufstätige, ergab der jährlich veröffentlichte HSBC Expat Explorer.

Viele in der Schweiz nicht glücklich

Den Spitzenplatz verdankt die Republik Singapur - in der Ausländer mehr als 60 Prozent der Einwohner ausmachen - seinem guten Abschneiden in den Bereichen Erfahrungen mit dem Land und Familienfreundlichkeit. Erstere Kategorie beinhaltet auch Lebensqualität, Integration in die Bevölkerung und Aufwand bei der Suche nach einer Unterkunft, letztere erfasst das Sozialleben, den Bildungsstandard und die Bedingungen, Kinder grosszuziehen. Doch eine dicke Brieftasche allein macht nicht immer glücklich.

Die Schweiz fiel in der Gesamtrangliste der HSBC-Expat-Länder auf den elften Platz zurück, was an einer niedrigsten Bewertung in den Kategorien Erfahrungen und Familie lag. Der Alpenstaat mit seinen Luxus-Skigebieten von Zermatt bis St. Moritz schnitt zwar im Bereich Lifestyle gut ab, lag aber auf dem 36. Rang bei der Frage, wie leicht man dort Einheimische kennenlernen und Freundschaften schliessen kann. Entsprechend gab es zwar Pluspunkte für die Kindererziehung in der Schweiz, doch beim Sozialleben und der Aufnahme im Gastland aus Sicht der Diversität wurde nur der 44. von 46 Plätzen erreicht.

Diese Kategorien zogen auch Saudi-Arabien auf den 40. Platz in der Gesamtwertung herunter, einen Platz vor China und sechs Plätze vor dem Schlusslicht Ägypten. Der starken persönlichen Finanzlage der Expats, die im Wüstenkönigreich leben, steht die Schwäche der saudischen Wirtschaft gegenüber, der die schlimmste Konjunkturabkühlung seit der globalen Finanzkrise droht.

Ziele erreichen

Deutschland verhalfen die Bereiche Wirtschaft und Familie derweil zum vierten Platz in der Gesamtbewertung. Vor allem in Sachen Berufsleben, lokale Wirtschaftsbedingungen, Bildung und Kinderbetreuung liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich weit vorne. Defizite werden vor allem bei der Eingewöhnung gesehen. Auch Freundschaften zu knüpfen und sich ein Sozialleben aufzubauen scheinen schwieriger als in anderen Ländern.

Grossbritannien belegt in der HSBC-Gesamtliste den 35. Rang und liegt damit 13 Plätze unter dem Vorjahresniveau. Der Brexit erschütterte das Vertrauen der Expats in die politischen und wirtschaftlichen Aussichten des Vereinigten Königreichs, das nun im Ranking hinter Polen, Südafrika und der Türkei zurückliegt.

Die USA verbesserten sich um drei Plätze auf den 27. Rang. Bei den Karrierechancen gibt es zwar die besten Noten, relativ schwierig gestaltet sich der Studie zufolge aber der Aufbau einer Existenz in dem Land, wie die Gesundheitsvorsorge zu organisieren und eine Unterkunft zu finden.

Im Allgemeinen ist eine Auslandsentsendung finanziell lohnend. Expats besserten ihr Einkommen um durchschnittlich 25 Prozent auf, hiess es in der Umfrage von HSBC unter mehr als 27.000 Personen aus 159 Ländern und Gebieten. "Von Wohneigentum bis zur Rentenvorsorge können Expats ihre lebenslangen Ziele schneller erreichen", sagte Blackburn.

(Bloomberg)