Asean-Gipfel in Manila - Südostasien «extrem beunruhigt» über Spannungen um Nordkorea

Die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA versetzen auch Südostasien in immer grössere Sorge.
30.04.2017 08:48
Grenze zwischen Süd- und Nordkorea (Gebäude im Hintergrund).
Grenze zwischen Süd- und Nordkorea (Gebäude im Hintergrund).
Bild: cash

Nordkorea müsse alles unterlassen, was den Frieden gefährde."Jeder ist besorgt. Niemand klatscht Beifall", sagte der Gastgeber, der philippinische Präsident Rodrigo Duterte. Zugleich appelierte er an die Vereinigten Staaten, "vorsichtig und geduldig" zu sein. Wenn es zu einem Krieg kommen sollte, werde die gesamte Region "unermesslich" leiden.

Auf einem Gipfel der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (ASEAN) in Manila äusserten sich die Staats- und Regierungschefs der zehn Mitgliedsländer am Samstag "extrem beunruhigt". 

Nach den jüngsten Raketentests forderte ASEAN Nordkorea auf, sich ans Völkerrecht und die einschlägigen UNO-Resolutionen zu halten. Duterte sagte, die jüngsten Entwicklungen seien auch ein "Test" für die Entschlossenheit von ASEAN, Frieden, Wohlstand und Sicherheit voranzubringen.

Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong rief dazu auf, sowohl die Kontakte zu China als auch zu den USA auszubauen. Zum nächsten ASEAN-Gipfel im November, der wieder auf den Philippinen stattfindet, wird auch US-Präsident Donald Trump erwartet.

Zurückhaltung im Inselstreit

Weiteres Thema war der Streit zwischen mehreren ASEAN-Mitgliedern und China um verschiedene Inseln im Südchinesischen Meer. In der Abschlusserklärung des Gipfels verzichtete die Gemeinschaft jedoch auf schärfere Töne gegen die Volksrepublik.

Der Ständige Schiedshof in Den Haag hatte im vergangenen Jahr die Territorialansprüche Chinas als rechtlich unbegründet zurückgewiesen und damit einer Klage der philippinischen Regierung von Rodrigo Dutertes Vorgänger Benigno Aquino entsprochen. Doch Duterte übt sich in Zurückhaltung gegenüber dem wichtigen Handelspartner China.

Mit dem Treffen feierte ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) ihr 50-jähriges Bestehen. Die Gemeinschaft wurde 1967 von zunächst fünf Ländern gegründet, die den USA nahestanden. Heute gehören ihr auch kommunistische Staaten wie Vietnam an.

Bombenanschlag vor Gipfel-Beginn

Aus Sorge vor einem Anschlag wurde der Gipfel von mehr als 40'000 Soldaten und Polizisten geschützt. Kurz vor Beginn war wenige Kilometer vom Tagungsort eine Bombe explodiert. Dabei wurden am Freitagabend mindestens 14 Menschen verletzt. Nach Angaben der Polizei hatte die Tat jedoch nichts mit dem Gipfel zu tun. Es soll sich dabei jedoch um eine Auseinandersetzung zwischen zwei kriminellen Banden gehandelt haben.

Mit 625 Millionen Einwohnern - mehr als die Hälfte unter 30 Jahren - ist Asean heute grösser als die Europäische Union (EU). Gründungsmitglieder sind Indonesien, Thailand, die Philippinen, Malaysia und Singapur. Im Lauf der Jahre wurde die Gemeinschaft um Brunei, Vietnam, Laos, Myanmar und Kambodscha erweitert. Als elftes Land steht Osttimor auf der Warteliste.

(AWP)