Kolumne

Assekuranz - Welche Versicherungen braucht man überhaupt?

Zahnversicherung, Erdbebenversicherung, Annulationskostenversicherung: Denken Sie doch einmal nach über den Sinn und Unsinn all Ihrer Versicherungen, die Sie abgeschlossen haben.
01.10.2018 06:37
Von Claude Chatelain
Welche Versicherungen braucht man überhaupt?
Bild: Shane Wilkinson

 

Die Kolumne "Gopfried Stutz" erschien zuerst im 

 

Über 6600 Franken geben Schweizerinnen und Schweizer Jahr für Jahr für Versicherungsprämien aus: Nur die Cayman Inseln und Hongkong kommen gemäss Swiss Re auf höhere Pro-Kopf-Werte. Wir wollen daher die Gelegenheit nutzen, um über Sinn und Unsinn von Versicherungen zu sinnieren.

Häufig ist zu lesen: Erdbebenversicherungen seien ein totaler Quatsch. Die Wahrscheinlichkeit eines Erdbebens sei derart gering, dass diese Versicherung unnötig sei. Wenn ich den Faden dieses Gedankens weiter spinne, müsste ich den ÖV-Schutzbrief der SBB für eine Jahresprämie von 27 Franken empfehlen. Die Wahrscheinlichkeit, dass einem im Zug etwas abhanden kommt,  ist ziemlich gross geworden. Jedenfalls grösser, als dass ein Erdbeben in der Schweiz Häuser zerstört.

Doch matchentscheidend ist nicht die objektive Wahrscheinlichkeit eines Schadens, die so genannte Eintrittswahrscheinlichkeit, sondern das Schadenpotenzial. Ein zerstörtes Eigenheim kann einen in den Ruin treiben; der gestohlene Reisekoffer kaum. Im Strassenverkehr kann ein Personen- oder Sachschaden in die Millionen gehen. Die Autohaftpflichtversicherung ist deshalb obligatorisch.

Nicht obligatorisch ist die Privathaftpflicht, obschon ruinöse Schäden auch abseits von Autostrassen entstehen können, etwa auf Skipisten oder Kinderspielplätzen.

Bei der Reiseversicherung denken viele an die Annulationskostenversicherung. Dabei ist gerade dieser Schutz nicht essenziell. Der Schaden besteht höchstens darin, dass eine bezahlte Reise nicht angetreten werden kann. Elementar ist dagegen der Versicherungsschutz für eine allfällige Repatriierung. Muss man gesundheitshalber von einem fernen Land in die Heimat geflogen werden, kostet das je nach Flugdistanz zehntausende von Franken. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist klein; das Schadenpotential gross. Bei einer Annulationskostenversicherung ist es gerade umgekehrt.

Völlig schräg sind gewisse Zahnversicherungen, die pro Jahr maximal 500 Franken abdecken. Bei einigen Schlaumeiern wird die Rechnung aufgehen, indem die vergütete Zahnarztrechnung  die Jahresprämie übertrifft. Doch mit dem Wesen einer Versicherung hat das nichts zu tun.

Selbst der einfache Diebstahl auswärts, der vier von fünf Haushalten abgeschlossen haben, konnte mir jahrelang gestohlen bleiben. Denn die Schadensumme ist ja auf 2000 Franken beschränkt. Und dann muss man erst noch 200 Franken Selbstbehalt in Kauf nehmen und einen Polizeirapport beschaffen.

Als ich vor ein paar Wochen ein neues Velo kaufte (ein richtiges Velo, bitte sehr, kein E-Bike!) habe ich nun trotzdem den einfachen Diebstahl auswärts abgeschlossen. Warum eigentlich? Weil ich ein typischer Schweizer bin.

Kein typischer Schweizer ist jener Gefängnisinsasse, der seiner Versicherung folgendes schrieb: "Ich kündige hiermit meine Haftpflichtversicherung. Ich bin zurzeit in Haft und brauche keine Haftpflichtversicherung".