Auch Japan leidet unter starker Währung

Der japanische Yen gilt neben dem US-Dollar und dem Schweizer Franken als die ideale Anlage für Investoren, die ihr Geld am Devisenmarkt sicher platzieren wollen.
01.07.2016 11:44
Japanischer Yen: In Krisen bei Investoren begehrt.
Japanischer Yen: In Krisen bei Investoren begehrt.
Bild: Bloomberg

Dabei ist das mit zahlreichen Problemen kämpfende Fernostland eigentlich alles andere als ein sicherer Hafen für Anleger: Die Wirtschaft schwächelt, die Preise fallen, die Schuldenlast ist erdrückend und die Bevölkerung altert rasant.

Doch Investoren beeindruckt vor allem eines: Die international sehr gefragten Waren "Made in Japan" und lohnende Investitionen der dortigen Firmen im Ausland sorgen für eine blendende Leistungsbilanz. "Japan ist der Bankier der Welt", sagt der Ökonom Martin Schulz vom Fujitsu Research-Institut in Tokio. Paradoxerweise leidet die Wirtschaft unter diesem guten Ruf. Der starke Yen schadet ausgerechnet ihrem Aushängeschild: dem Außenhandel. Mit Eingriffen am Devisenmarkt könnte das Land den Befreiungsschlag wagen, um den gefährlichen Trend zur Verteuerung japanischer Produkte auf dem Weltmarkt zu brechen.

Nach dem Votum für einen britischen EU-Austritt flüchteten Anleger in Scharen mit ihrem Geld nach Fernost und sorgten dafür, dass der Yen-Kurs weiter nach oben schoss. Dabei war er bereits zuvor ständig unter Aufwertungsdruck: Vor der Brexit-Entscheidung der Briten war der Wechselkurs dieses Jahr bereits um 15 Prozent in die Höhe gegangen. Die Stärke der Fernost-Währung ist mittlerweile auch Thema bei den Gesprächen auf höchster politischer Ebene zu den Nachwehen der Brexit: So soll Ministerpräsident Shinzo Abe die für sein Land problematische Entwicklung in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel angesprochen haben, wie aus Regierungskreisen verlautete.

Notenbank in Tokio mit geldpolitischen Mitteln nahe am Anschlag

Seit Mitte der 1990er-Jahre hat Japans Währung einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge bereits mehr als ein Dutzend Mal aufgewertet, weil Investoren aus Furcht vor Krisen in anderen Teilen der Welt den sicheren Hafen Japan aufsuchten. Tokio hat immer wieder mit Interventionen am Devisenmarkt gegengehalten. In manchen Fällen konnte Japan auch im Zusammenspiel mit seinen Partnern im Club der führenden Industriestaaten G7 dafür sorgen, dass die Währung zumindest vorübergehend ihren Höhenflug beendete. Die Regierung in Tokio deutete bereits mehrfach an, dass es jetzt erneut zu Interventionen kommen könne. Dass sie dabei die USA als mächtigstes der G7-Länder mit an Bord holen kann, gilt jedoch als eher unwahrscheinlich.

Die massiven Währungsschwankungen mit der Gefahr eines Abwertungswettlaufes ist seit geraumer Zeit eines der Top-Themen in der Industrieländer-Gruppe G7 wie in der G20, in der die führenden Industrie- und Schwellenländer sitzen. Bei der jüngsten G7-Finanzministerkonferenz im Mai hatten die Japaner angesichts der Yen-Aufwertung nachdrücklich auf eine gemeinsame Antwort gedrängt. Regierungschef Abe hat wiederholt erklärt, das Land behalte sich eine Reaktion vor, um auf eine überzogene Aufwertung des Yen zu reagieren - also notfalls auch Interventionen. Allerdings hat das Land von seinen G7-Partnern und namentlich den USA dafür keine Unterstützung erhalten.

In Washington schaut man mit Argwohn auf Versuche jeglicher Länder, mit Eingriffen am Devisenmarkt Vorteile für die jeweilige Exportindustrie herauszuschlagen. Die Notenbank in Tokio ist nach Jahren einer massiven Geldflut und Zinsen im negativen Bereich nach Ansicht mancher Experten mit ihren geldpolitischen Mitteln bereits nahe am Anschlag: Mit weiteren Maßnahmen könne der Höhenflug des Yen allenfalls gestoppt, aber keine Schwächung der Währung bewirkt werden, meint Japan-Beobachter Markus Schomer vom US-Vermögensverwalter PineBridge Investments: "Die Zentralbank hat nur noch Verteidigungswaffen im Arsenal." 

(Reuters)