Aufsichtsbehörde verknurrt Post zum Gespräch mit Habkern

(Meldung ab Zwischentitel mit Reaktion Unterseen ergänzt) - Die Post darf die Poststelle in Unterseen nicht durch eine Agentur ersetzen, ohne die von diesem Entscheid mitbetroffene Gemeinde Habkern anzuhören. Dies hält die Aufsichtsbehörde PostCom fest.
13.03.2017 16:48

Laut Postverordnung muss die Post vor der Schliessung einer Poststelle nicht nur die Standortgemeinde anhören, sondern auch mitbetroffene Gemeinden miteinbeziehen, ruft die Eidgenössische Postkommission Postcom in ihrer Mitteilung vom Montag in Erinnerung.

Im Fall von Unterseen betrifft dies auch die oberhalb von Unterseen gelegene Gemeinde Habkern, wo die Post bereits heute nur noch eine Agentur betreibt. Die Einwohnerinnen und Einwohner müssen Spezialsendungen - wie Betreibungsurkunden oder Nachnahmen aus dem Ausland - in der Poststelle Interlaken abholen.

Am nächsten liegt jedoch die Poststelle Unterseen, wo nach Angaben der Gemeinde Habkern vor allem ältere Menschen ihren Zahlungsverkehr erledigten, schreibt die PostCom. Die Post müsse daher mit dem Gemeinderat von Habkern den Dialog nachholen.

Komme keine einvernehmliche Lösung zustande, muss die Post einen formellen Entscheid eröffnen, gegen den die betroffenen Gemeinden die PostCom anrufen können. Erst dann wird sich die Aufsichtsbehörde inhaltlich mit der Frage beschäftigen, ob die Schliessungs-Pläne in Unterseen den Vorgaben der Postverordnung entsprechen oder nicht.

UNTERSEEN HOFFT AUF "WIRKLICHEN DIALOG"

"Mit einer gewissen Genugtuung" reagierte der Gemeinderat von Unterseen auf die PostCom-Empfehlung. Obwohl dem Entscheid nur aufschiebende Wirkung zukommen dürfte, hoffe man trotzdem, "dass damit die Grundlage zu einem wirklichen Dialog mit den Vertretern der Post geschaffen wird."

Der Gemeinderat halte an seiner Überzeugung fest, dass die Aufrechterhaltung der Poststelle Unterseen die richtige Lösung sei. Es mache verkehrstechnisch wenig Sinn, die Poststelle für die 5800 Einwohnerinnen und Einwohner von Unterseen ins Zentrum von Interlaken zu verlegen.

Bereits Ende Januar hatte die PostCom die Post dazu verknurrt, im Berner Jura den Dialog mit Nachbargemeinden von Crémines zu suchen. Die dortige Poststelle soll ebenfalls geschlossen und durch eine Agentur ersetzt werden.

cf/

(AWP)