Ausländische Steuerpflichtige legen vermehrt ihre Konten offen

Bern (awp/sda) - Die Einführung des automatischen Informationsaustauschs (AIA) mit der EU ab 2018 zeigt immer stärkere Wirkung. Die Zahl der Meldungen von ausländischen Bankkunden an die Steuerbehörden hat nochmals markant zugenommen.
24.07.2016 12:28

So registrierte die eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) 2015 gemäss einem Bericht der "Zentralschweiz am Sonntag" mehr als doppelt so viele Meldungen wie 2014 und fast siebenmal so viel wie im Jahr 2011. Konkret hat sich die Zahl der Meldungen in einem Jahr von 149'508 auf 328'860 erhöht, wie eine auf der Internetseite der ESTV kürzlich aufgeschalteten Statistik zeigt.

Der Grund für die massive Zunahme der Meldungen liegt gemäss dem Bericht vor allem im Näherrücken des AIA mit der EU. Anfang 2017 wird das entsprechende Abkommen in Kraft treten. Ein Jahr später sollen die ersten Daten über Bankkonten und Wertschriftendepots zwischen der Schweiz und den EU-Ländern ausgetauscht werden.

Ein weiterer Treiber der Entwicklung sei zudem das italienische Programm für die Selbstanzeige. Dieses habe dazu geführt, dass sich die Meldungen von italienischen Bankkunden von knapp 7500 auf fast 63'000 erhöht habe.

Im Gleichschritt mit den Meldungen haben sich die Überweisungen aus der anonymen Besteuerung der Guthaben von EU-Bankkunden an die EU-Länder zurückgebildet. Im letzten Jahr überwies der Bund im Rahmen des Zinsbesteuerungsabkommen mit der EU noch rund 127 Millionen Franken an die EU-Länder. 2014 betrugen diese Zahlungen noch knapp 238 Millionen Franken.

Die ESTV-Statistik legt jedoch auch nahe, dass deutsche, spanische und österreichische Steuerpflichtige viel Geld von ihren Schweizer Bankkonten abgezogen haben. So reduzierten sich die Zinseinkünfte deutscher Kunden innerhalb eines Jahres um 13 Prozent. Bei den Spanier verringerten sich diese um 23 Prozent, bei den Österreichern sogar um 28 Prozent.

Zugenommen haben dagegen die gemeldeten Zinseinkünfte von Italienern. Diese haben sich von 2014 auf 2015 verdoppelt. Offenbar haben viele italienische Bankkunden ihre Vermögen in der Schweiz zwar offengelegt, jedoch darauf verzichtet, sie auf eine italienische Bank zu transferieren.

(AWP)