Aussenpolitik - Grossbritannien mit Japan über Freihandel einig

Inmitten des eskalierenden Brexit-Streits mit der Europäischen Union hat sich Grossbritannien auf ein erstes grosses Freihandelsabkommen mit einer anderen Nation geeinigt.
12.09.2020 08:56
Figurengruppe vor dem Turm des Londoner Parlamentsgebäudes.
Figurengruppe vor dem Turm des Londoner Parlamentsgebäudes.
Bild: Pixabay

Am 1. Januar 2021 solle eine umfassende Vereinbarung mit Japan gelten, kündigte das Handelsministerium am Freitag in London an. Das erste bedeutende Abkommen seit dem EU-Austritt zu Beginn dieses Jahres gewährleiste Zollfreiheit für 99 Prozent der britischen Exporte in die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt. Der Handel mit Japan könne langfristig um etwa 15,2 Milliarden Pfund (etwa 16,5 Milliarden Euro) im Vergleich zu 2018 wachsen.

In Rekordzeit verhandelt

"Das ist ein historischer Moment für Grossbritannien und Japan", sagte die britische Handelsministerin Liz Truss. "Das Abkommen, das wir in Rekordzeit und unter schwierigen Umständen ausgehandelt haben, geht weit über das bestehende EU-Abkommen hinaus." Es sichere den britischen Unternehmen etwa in der Fertigungs-, Lebensmittel- und Getränke- sowie Technologieindustrie neue Geschäftsabschlüsse. Der japanische Aussenminister Toshimitsu Motegi sagte, die Gespräche seien schwierig gewesen. "Aber es ist uns gelungen, in nur drei Monaten mit ausserordentlicher Schnelligkeit eine Grundsatzeinigung zu erzielen." Japan hofft, dass insbesondere die heimische Eisenbahn- und Autobranche davon profitiert. Grosse japanische Investoren in Grossbritannien wie die Konzerne Nissan und Hitachi werden Motegi zufolge reduzierte Zölle auf Zulieferteile zugutekommen, die bis 2026 ganz wegfallen sollen.

Die Einigung mit Japan wird weithin als vergleichsweise einfache Übung für die britische Regierung angesehen, da sie sich weitgehend auf das Abkommen zwischen der EU und Japan stützt. Andere Handelsgespräche, insbesondere mit den USA, kommen deutlich langsamer voran. Der Handel zwischen Grossbritannien und Japan summierte sich 2018 auf rund 29,5 Milliarden Pfund. Zum Vergleich: Die Exporte und Importe zwischen Grossbritannien und der EU belaufen sich auf fast 700 Milliarden Pfund.

Verhandlungen mit der EU in der Sackgasse

Grossbritannien hat die EU am 31. Januar verlassen. Die Verhandlungen zwischen beiden Seiten um ein Freihandelsabkommen nach Ende der Brexit-Übergangsphase am Jahresende stecken derzeit in einer Sackgasse. Die britische Wirtschaft fordert deshalb mit Nachdruck, ein Handelsabkommen mit der EU abzuschliessen. Dieses sei "von grösster Bedeutung", sagte Allie Renison, Leiterin der Abteilung Europa und Handelspolitik beim Lobbyverband Institute of Directors.

Die Fronten in den Brexit-Gesprächen haben sich zuletzt verhärtet. Die Regierung von Premierminister Boris Johnson hat angekündigt, sich in einem geplanten Gesetz für den britischen Binnenhandel in Teilen über den ratifizierten Scheidungsvertrag mit der EU hinwegzusetzen. Die EU pocht aber darauf, dass sich London an den Vertrag und die Zusage halten muss, keine sogenannte harte Grenze zwischen der britischen Provinz Nordirland und dem EU-Land Irland zuzulassen.

(Reuters)