Autokonzerne - Unterschiedliche Strategien beim autonomen Fahren

Das automatisierte Fahren gilt als eines der wichtigsten Zukunftsthemen der Autobranche. Doch nicht alle deutschen Autobauer sind mit der Entwicklung solcher Technologien gleich weit.
16.07.2017 18:56
Noch immer ein Statussymbol: Ein Mercedes.
Noch immer ein Statussymbol: Ein Mercedes.
Bild: Pixabay

Alle Hersteller und Zulieferer, oft flankiert von IT-Konzernen, arbeiten auf Hochtouren daran, die Technik des computergesteuerten Fahrens weiterzuentwickeln. Bis Autos irgendwann komplett ohne Mensch am Steuer auskommen und als Robotertaxis durch die Städte rollen, werden nach Ansicht von Experten noch einige Jahre ins Land gehen. Assistenzsysteme als Vorboten dieser Entwicklung sind längst Standard in allen Fahrzeugklassen. Schritt für Schritt geht die Entwicklung hin zum völlig autonomen Auto, von der Testflotte hin zur Serienproduktion.

Es folgt ein Überblick über Pläne und Projekte der deutschen Autobauer:

Audi

Die Ingolstädter VW-Tochter bringt zum Jahresende die Neuauflage ihres Flaggschiffs A8 auf den Markt, das unter bestimmten Bedingungen automatisiert fahren kann. Der Mensch am Steuer kann sich vom Verkehr abwenden und anderen Dingen zuwenden - so lange, bis das Auto ihn zum Übernehmen der Kontrolle auffordert. Diese Stufe des autonomen Fahrens, die als Level 3 bezeichnet wird, beherrschen andere Hersteller auch, bieten sie allerdings noch nicht in Serienmodellen.

Volkswagen

Der Wolfsburger Mutterkonzern hat die Studie eines selbstfahrenden Wagens bereits im Frühjahr auf der Genfer Automesse gezeigt. Der an einen futuristischen Minibus erinnernde "Sedric" soll auf Knopfdruck heranrollen und seine Passagiere automatisch ans Ziel bringen. Sedric steht für self-driving car und ist Teil eines umfassenden Konzepts von Volkswagen für die Mobilität von Morgen, bei der es nicht mehr darauf ankommt, ob man einen Wagen besitzt oder sich für kurze Zeit ausleiht. Mit einem kleinen Bedienelement, das in jede Hosentasche passt, sollen Nutzer in Zukunft überall auf der Welt einen Roboterwagen von VW ordern können, der sie anhand einer Mobilitäts-ID erkennt.

Porsche

Porsche-Chef Oliver Blume nannte das autonome Fahren im vergangenen Jahr im "Westfalen-Blatt" noch "so verlockend wie eine Rolex fürs Eierkochen." Der Porsche-Fahrer werde aus Spass am Fahren nie das Lenkrad aus der Hand geben. Doch autonome Komfortfunktionen, wenn ein Sportwagen etwa im Stau auf der Autobahn rollt, sollen mittlerweile auch die Porsche-Kunden nicht missen. Im April kündigten die Konzernschwestern Porsche und Audi an, die Technologie gemeinsam voranbringen zu wollen.

BMW

Der weiss-blaue Oberklasse-Hersteller testet das autonome Fahren im Jahresverlauf mit rund 40 Fahrzeugen in seiner Heimat München und in anderen Städten in Europa und den USA. Auch in Jerusalem sollen computergesteuerte Wagen an den Start gehen. Hinter jedem Steuer sitzt dabei nach BMW-Angaben ein trainierter Testfahrer, der bei Bedarf eingreifen und das Auto per Hand lenken kann. Zur Sicherheit ist jeweils ein Folgefahrzeug dabei. Die Testflotte entwickelte BMW gemeinsam mit dem US-Chipriesen Intel und dem israelischen Kameratechnik-Spezialisten Mobileye; mit diesen Partner wollen die Münchner 2021 selbstfahrende Autos auf den Markt bringen.

Daimler

Auch der Stuttgarter Autobauer entwickelt Schritt für Schritt die Technik weiter bis zum völligen Verzicht auf Lenkrad und Pedale. Zusammen mit dem grössten Autozulieferer Bosch wollen die Schwaben schon im kommenden Jahr eine solche Testflotte im Strassenverkehr erproben. In Serie gehen sollen die "Robotaxis" dann ab 2022. Bis dahin werden in jeder Neuauflage der Oberklassemodelle die Assistenzsysteme verbessert. So wird die überarbeitete S-Klasse im Herbst automatisch überholen, Abstand halten, Tempolimits einhalten oder eine Notbremsung hinlegen.

(Reuters)