Automarkt Grossbritannien - Autobauer zwischen Hoffen und Bangen wegen Brexit

Nervös, vorsichtig, entspannt - die Autobauer reagieren unterschiedlich auf den bevorstehenden EU-Austritt Grossbritanniens.
11.03.2017 15:55
Ford hat rund 14'000 Angestellte in Grossbritannien.
Ford hat rund 14'000 Angestellte in Grossbritannien.
Bild: ZVG

Für die Zukunft der Beschäftigten und der Kunden auf der Insel sei Zollfreiheit ganz wichtig, mahnte der Europa-Chef von Ford, Jim Farley, am im Interview der Nachrichtenagentur anlässlich des Genfer Autosalons. "Darauf werden wir weiter drängen." Der US-Hersteller hat rund 14'000 Beschäftigte im Vereinigten Königreich. BMW hält sich weiterhin offen, ob der neue Elektro-Mini im Heimatland der Marke gebaut wird.

"Gelassen" wartet indes Daimler-Chef Dieter Zetsche ab, ob Zölle künftig in die Preiskalkulation für Mercedes-Benz im britischen Markt eingehen müssen. Grossbritannien ist für Ford der grösste Absatzmarkt in Europa. Die Amerikaner betreiben dort unter anderem ein Motorenwerk. Nach den Regeln der Welthandelsorganisation könnten auf importierte Fahrzeuge bis zu zehn Prozent Zoll erhoben werden.

Die britische Gewerkschaft befürchtet, dass Ford wegen des Brexit rund 1100 Stellen streichen könnte. Der Autobauer hatte erklärt, das sei nicht geplant. Allerdings will die Finanzierungssparte von Ford aus diesem Grund eine Banklizenz in Deutschland beantragen, um künftig noch Kreditdienstleistungen in der EU anbieten zu können.

Mini aus Oxford oder Regensburg?

Betroffen vom Brexit ist auch die Mini-Produktion von BMW. Ende des Jahres soll entschieden werden, wo der neue Elektro-Mini gebaut wird. Mini-Chef Peter Schwarzenbauer erklärte in Genf, es sei wichtig, dass die Kleinwagen-Marke als britisch wahrgenommen werde. Doch sei es nicht zwingend, die Autos auch auf der Insel zu produzieren.

Derzeit laufen 70 Prozent der gesamten Mini-Produktion im Werk Oxford vom Band. Zuletzt war spekuliert worden, dass BMW sich wegen des Brexit gegen eine Fertigung in Grossbritannien entscheidet. BMW-Chef Harald Krüger sagte, neben Oxford kämen auch die Werke Leipzig und Regensburg sowie Born in den Niederlanden infrage.

Anders als BMW produziert Daimler keine Pkw im Vereinigten Königreich, auch wenn es der zweitgrösste europäische Absatzmarkt der Schwaben nach Deutschland ist. Das soll auch so bleiben, falls es zu Zöllen käme. "Wir planen sicher nicht, Fabriken in Grossbritannien zu bauen", sagte Daimler-Chef Zetsche. "Wir gehen davon aus, dass die Engländer unsere Produkte trotzdem kaufen, das sehe ich relativ gelassen." Die britische Regierung und die EU sollten vermeiden, dass Schaden auf allen Seiten durch einen Verzicht auf einen freien Handelsaustausch erzeugt wird. "Ich setze darauf, dass am Ende die Vernunft siegen wird", ergänzte Zetsche.

(Reuters)