Autozölle - EU will wohl Trumps Kompromisswillen ausloten

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wird US-Präsident Donald Trump kommende Woche in Washington treffen, um mögliche Verhandlungen über die Senkung der Autozölle für mehrere wichtige Handelspartner aufzunehmen.
22.07.2018 14:23
Der Luxemburger Jean-Claude Juncker ist seit dem 1. November 2014 Präsident der Europäischen Kommission.
Der Luxemburger Jean-Claude Juncker ist seit dem 1. November 2014 Präsident der Europäischen Kommission.
Bild: Bloomberg

Juncker werde wahrscheinlich die Bereitschaft der EU signalisieren, ein sogenanntes plurilaterales sektorales Abkommen zur Senkung der Autozölle zwischen den beiden Seiten sowie anderen grossen Auto exportierenden Ländern in Betracht zu ziehen, sagte ein Diplomaten, der um Anonymität bat, gegenüber Bloomberg. Ein solcher Deal, der das Potenzial hätte, die Autoindustrie auf den Kopf zu stellen, würde zur Vollendung jedoch Zeit brauchen, und Diplomaten sagten, sie seien nicht optimistisch, dass Trump das akzeptieren würde.

Die EU versucht, eine US-Untersuchung darüber abzuwenden, ob die Importe von Autos und Autoteilen die nationale Sicherheit beeinträchtigen, was in einem Vorschlag von Trump enden könnte, der einen Zollsatz von 20 Prozent für Autos vorsieht. Washington hat der EU bereits Zölle auf Stahl- und Aluminiumexporte unter Verwendung der gleichen nationalen Sicherheitsbegründung aufgebürdet. Juncker versucht, den Konflikt zu entschärfen, nachdem der 28-Nationen-Block vor einem Monat aufgrund der Metallzölle seinerseits Abgaben auf 2,8 Milliarden Euro an amerikanischen Importen verhängt hatte.

"Präsident Juncker und Präsident Trump werden sich darauf konzentrieren, den transatlantischen Handel zu verbessern und eine stärkere Wirtschaftspartnerschaft zu schmieden", teilte die Europäische Kommission am Dienstag in einer Erklärung zum Treffen am 25. Juli mit. Der Stillstand bei Autozöllen hat die Autohersteller erschüttert; der Stoxx 600 Automobiles & Parts Index ist in diesem Jahr um rund neun Prozent gefallen.

EU-Mitgliedstaaten sind uneins

Die EU wird Junckers Treffen nutzen, um herauszufinden, wie es weitergehen soll, wobei die Mitgliedstaaten nach Ansicht des anderen Diplomaten uneins sind. Deutschland, das im vergangenen Jahr 640.000 Autos in die USA exportiert hat, ist bestrebt, eine Lösung mit Trump auszuhandeln, während auf französischer Seite die neuen Autotzölle als ausgemachte Sache betrachtet werden.

Der Verband der Automobilhersteller VDA begrüsse Gespräche und ein Ende einer weiteren Eskalation, sagte Sprecherin Sandra Courant, die zu dem Treffen in der kommenden Woche keine Stellungnahme abgeben wollte.

(Bloomberg)

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