Azienda Elettrica Ticinese will Windpark am Gotthard bauen

Bellinzona (awp/sda) - Geht es nach der Azienda Elettrica Ticinese (AET), soll am Gotthard bis Herbst 2018 der erste Tessiner Windpark entstehen. Der Tessiner Energieversorger hat dafür nun eine Baubewilligung beantragt. Die ersten Arbeiten sollen bereits im kommenden Frühjahr beginnen.
18.10.2016 15:00

Die AET wolle sich mit 70% an dem insgesamt 32 Mio CHF teuren Projekt beteiligen, teilte das Unternehmen am Dienstag in einem Communiqué mit. Mit im Boot sitzen ausserdem die SIG aus Genf mit 25% und die Gemeinde Airolo mit 5% Beteiligung.

Mit dem neuen Park auf 2'130 Metern über Meer soll laut der AET der Anteil an erneuerbaren Energien im Gesamtenergiemix erhöht werden. Die fünf Anlagen am Gotthardpass haben jeweils eine Leistung von 2,35 MW - die Gesamtleistung beträgt demnach 11,75 MW. Mit dem Windkraftpark könne der Strombedarf aller Haushalte in den Bezirken Blenio und Leventina gedeckt werden, so die AET.

Der Gotthard eigne sich für das geplante Grossprojekt deshalb gut, weil dort häufig der Wind wehe, er gut an das Strassennetz angebunden sei und dort schon die nötige Leitungsinfrastruktur vorhanden sei.

Für die beantragte Baubewilligung wurden laut AET auch Richtlinien des Umweltschutzes berücksichtigt - genau dieser Aspekt hatte in der Vergangenheit für Streit gesorgt.

HEIMATSCHÜTZER MIT BEDENKEN

Der Tessiner Heimatschutz (STAN) hatte noch 2014 gegen den Richtplan der Gemeinde Airolo Rekurs beim Staatsrat eingelegt. Unterstützt wurde er dabei auch von der Stiftung für Landschaftsschutz.

Schon drei Jahre zuvor bremste die STAN den Windpark aus. Im Jahr 2011 hiess das kantonale Verwaltungsgericht einen Rekurs gegen die bereits vom Kanton genehmigten Pläne gut.

Die AET verspricht für die errichteten Windräder nun "Ersatzleistungen" für den Umweltschutz: Alte Deponien sollen saniert werden, Flora und Fauna geschützt werden und einige Stromleitungen unterirdisch verlegt werden.

Über eine neuerliche Opposition gegen das abgeänderte AET-Projekt habe man noch nicht diskutiert, sagte ein Sprecher des Tessiner Heimatschutzes am Dienstag auf Anfrage. Die Bedenken hinsichtlich der Ästhetik und des Landschaftsschutzes seien aber noch die gleichen wie vor zwei Jahren: Da die Windräder in der Nähe des Gotthard-Hospizes errichtet werden sollen, würde sich das Landschaftsbild fundamental ändern, so der STAN-Sprecher.

mk

(AWP)