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Baldiges Ende der Turbulenzen? Wohl kaum

Die sofortige Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze der Schweizerischen Nationalbank gibt uns einen Vorgeschmack auf das Ende der Krisen-Geldpolitik der Zentralbanken. Dabei ist die Krise noch gar nicht vorbei.
19.01.2015 00:53
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

Vor etwas mehr als drei Monaten schrieb ich hier einen Kommentar mit dem Titel: "Draghi soll mal den Crash zulassen". Es ging um die immensen Hilfsmassnahmen der Europäischen Zentralbank, die darauf abzielen, insbesondere die leidenden südeuropäischen Staaten wieder auf die Beine zu bringen. Es ging auch darum, wie sich diese Patienten (und die Märkte allgemein) wohlig an diese Medikamente gewöhnt haben, ohne adäquate Gegenleistungen, sprich: Reformen dafür zu liefern.

"Eine Sistierung der EZB-Massnahmen - oder die blosse Ankündigung dafür - wäre in der Tat ein Experiment wert, um die Problemstaaten zum Handeln zu zwingen. Die Verwerfungen an den Märkten müsste man in Kauf nehmen", schrieb ich damals. Natürlich was das ein Gedankenspiel.

Diese Fantasie ist letzte Woche ein wenig Realität geworden - wenn auch etwas weiter südlich. Knall auf Fall trennte sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) von der Kursuntergrenze des Franken zum Euro. Wie die EZB-Massnahmen war der SNB-Mindestkurs Teil einer "unkonventionellen" Geldpolitik, welche die Zentralbanken zur Ankurbelung der Wirtschaft seit 2008 einsetzen. Der Giftschrank beinhaltet Outright Monetary Transactions, Quantitative Easing, TLTRO, Tiefzinsen, Negativzinsen, Währungsanbindung etc. etc.

Bloss: Es gibt eine Zeit nach den Hilfsmassnahmen der Zentralbanken. Diese Zeit der Normalisierung hat die SNB am letzten Donnerstag unerwartet früh begonnen. Sie hat dabei die internationalen Finanzmärkte einem Reality-Check unterzogen. Es war ein Vorgeschmack dafür, wie die Märkte reagieren, wenn ihnen die Medizin entzogen wird. Ähnliche Aufregung hat man bereits beobachten können, als die US-Federal Reserve erste Andeutungen zu Leitzinserhöhungen machte.

Das Paradoxe am SNB-Schritt: Die Aufhebung der Kursuntergrenze erfolgte nicht aufgrund einer Normalisierung der Lage in Europa, sondern wegen einer absehbaren Dramatisierung. Griechenland wählt am nächsten Wochenende vielleicht eine Regierung, welche die Sparauflagen nicht mehr erfüllen will. Drei Tage vorher lanciert die EZB wohl schon mal präventiv ein umfangreiches Staatsanleihe-Kaufprogramm. Alles Zutaten, welche den Euro weichkochen, den Franken aufwerten - und die Börsen auf die Achterbahn bringen können.  Die Aussagen von SNB-Präsident Thomas Jordan, dass die Märkte nach einiger Zeit zu geordneten Verhältnissen zurückkehren werden, ist eher Wunschgedanke.