Banken, die untervermieten - eine Gefahr für Londons Immobilienfirmen

Die Entscheidung von Barclays, 25 Prozent der Büroflächen in London abzugeben, unterstreicht ein wachsendes Risiko für Immobilienentwickler, die Bürogebäude in der britischen Hauptstadt bauen: Der Mangel an Mietern.
05.11.2016 16:55
Blick auf Canary Wharf, dem Geschäftsviertel auf der Isle of Dogs, in London.
Blick auf Canary Wharf, dem Geschäftsviertel auf der Isle of Dogs, in London.
Bild: Pixabay

Die Bank versucht, Büros im Finanzbezirk von Canary Wharf an die britische Regierung unterzuvermieten, wie Bloomberg aus informierten Kreisen erfuhr. Es zeigt, das zuvor belegte Flächen ganz plötzlich wieder auf den Markt zurückkehren können, wenn Unternehmen sich verkleinern wollen. Letztlich bedeutet dies grösseren Wettbewerb um Mieter als von Investoren anfangs erwartet.

Barclays ist längst nicht die einzige Bank, die Büroflächen in London aufgibt. So hat beispielsweise Citigroup angeboten, rund 28.000 Quadratmeter in ihrem Büroturm 25 Canada Square an eine britische Behörde zu vermieten, war aus informierten Kreise bereits im Oktober zu hören. HSBC plant derweil, 1000 Mitarbeiter nach Birmingham zu verlagern, um die Kosten zu reduzieren und das britische Geschäft abzutrennen.

Immobilienentwickler hatten eigentlich vor, von den stark steigenden Mieten zu profitieren und begannen in den sechs Monaten bis März mit den Arbeiten an einer Rekordzahl an Büro-Projekten in der Londoner Innenstadt – was Überangebot zu einer grösseren Bedrohung für Mieten und Bewertungen macht als der Brexit, wie UBS im August feststellte.

Laut Analyst Mike Prew von Jefferies könnten Unternehmen innerhalb von zwei Jahren nach Beginn des offiziellen EU-Austritts-Prozesses Grossbritanniens bis zu 100.000 Jobs aus London heraus verlagern. Das erklärte er im Juni. “Mieter bekommen die Oberhand bei den Mietverhandlungen angesichts von Banken, die Flächen anbieten, um von London wegzuziehen“, schrieb Prew nun in dieser Woche.

Die Büro-Verkleinerung von Barclays, für die die Bank im dritten Quartal eine Belastung von 150 Mio. Pfund in der Bilanz verbuchte, wird wahrscheinlich innerhalb der nächsten zwei Wochen abgeschlossen sein, sagte Chief Executive Officer Jes Staley bei einer Konferenz mit Analysten am 27. Oktober. Es handelt sich umgerechnet um rund 5000 Schreibtisch-Arbeitsplätze. Der Schritt erfolgte, nachdem die Bank einen Einstellungsstopp verhängt hatte, erklärte ein Sprecher zu Beginn dieser Woche.

Bewertungen von Büroflächen fallen

Die Bewertungen von Büroflächen im Finanzbezirk City of London waren im Juli so stark gefallen wie in mindestens sieben Jahren schon nicht mehr. Dahinter stand die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen.

“Zuletzt hatte es eine Zunahme bei den verfügbaren Mietflächen gegeben”, bestätigt auch Jules Hind vom Makler Farebrother „Falls der Trend so weitergeht, wird sich das auf den breiteren Markt auswirken, wo Vermieter bereits die Anreize erhöht haben, um sich Vertragsabschlüsse zu sichern.“ Der Makler Carter Jonas rechnet mit einem Rückgang der Mieten um zehn bis zwölf Prozent in der City und den Docklands um Canary Wharf über die nächste zwei Jahre.

Rückzüge im Finanzsektor und Untervermietungen werden jedoch auch dabei helfen, die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schliessen, meint William Beardmore-Gray, der das Mietgeschäft von Knight Frank leitet. „Firmen ausserhalb des Finanzsektors sind über das Referendum hinweg und wieder auf der Suche nach Büroflächen, besonders Tech- und kreative Firmen, weil ihre Mietverträge auslaufen.“

Laut Michael Pain – Chef der London-Innenstadt-Sparte, die Büromieter bei Carter Jonas berät – könnte die Entscheidung von Barclays zu einem breiteren Phänomen werden, falls es einen harten Brexit gibt und Grossbritannien keine vollen Passporting-Rechte behält. „Falls das der Fall ist, werden sich Entwickler in einer Situation wiederfinden, in der sie mehr und mehr im Wettbewerb stehen“ mit Mietern, die versuchen, Flächen unterzuvermieten, warnte er.

(Bloomberg)