Banken weiterhin unter Druck - Versicherer stabilisieren sich

Zürich (awp) - Die Aktien der Finanzwerte stehen zu Beginn der neuen Woche mit Blick auf den Brexit-Schock vom Freitag weiterhin stark unter Druck. Dabei büssen vor allem die Papiere der Grossbanken zusammen mit Zyklikern bei den Schweizer Blue Chips erneut überdurchschnittlich an Wert ein, während die Abgaben bei grossen Versicherungstiteln vergleichsweise gering ausfallen.
27.06.2016 10:38

Bis um 09.55 Uhr verlieren UBS 2,8% auf 13,22 CHF und auch Credit Suisse werden mit -6,5% auf 10,51 CHF weiter zurückgenommen. Gleichzeitig geben die Aktien von Zurich lediglich um 0,5% auf 225,90 CHF nach, während jene von Swiss Re 0,4% auf 80,50 CHF verlieren. Der Gesamtmarkt büsst derweil gemessen am Leitindex SMI mit der Unterstützung der Schwergewichte Roche, Novartis und Nestlé zum Berichtszeitpunkt nur 0,2% ein.

Bereits am Freitag hatten die Bankaktien (CS -13,9%, UBS -11,2%) im SMI am stärksten unter der mit dem Austritt Grossbritanniens aus der EU verbundenen Verunsicherung gelitten. Schliesslich gelten das Finanzzentrum London und die gesamte Finanzindustrie mit zu den grössten Verlierer des Brexit. Auch die Versicherungswerte (Zurich -5,7%; Swiss Re -5,0%) wurden von den hohen Marktvolatilitäten in Mittleidenschaft gezogen.

SCHÄTZUNGSSENKUNGEN BEI GROSSBANKEN

Im Nachgang an das Brexit-Referendum und den daraus resultierenden Kursverluste, haben Analysten verschiedener Institute eine Neubeurteilung ihrer Einschätzungen vorgenommen. So senkte beispielsweise die Deutsche Bank das Kursziel für die UBS um 2 auf 14 CHF und jenes für die Credit Suisse auf 12,50 von zuvor 14,00 CHF. Die Ratings für die beiden Banken wurden vom deutschen Institut allerdings mit "Hold" bestätigt.

Die zunehmenden Unsicherheiten im Zuge des Brexit-Entscheids dürfte auf dem Geschäftsaufkommen der Schweizer Grossbanken lasten, begründet die Deutsche Bank ihren Entscheid. Für die UBS haben die Analysten die Gewinnschätzungen von 2017 bis 2018 um durchschnittlich 4%, für die Credit Suisse gar um 23% reduziert. Bei der CS werde mit diesem Schritt auch den Kosten für die beschleunigte Restrukturierung Rechnung getragen, heisst es.

JPMorgan senkte im Rahmen einer Branchenstudie nebst dem Kursziel auch noch das Rating für die beiden Banken. Neu bewertet der Analyst sowohl die Titel der UBS als auch jene der Credit Suisse noch mit "Underweight" nach "Neutral". Die Kursziele lauten derweil neu auf 13 nach 16 CHF (UBS) und 11 nach 15 CHF (CS). Eine mögliche Aufwertung des Frankens im Zuge des Brexit würde die Schweizer Grossbanken vor allem im Bereich der Vermögensverwaltung belasten, schreibt der zuständige Analyst. Im Bereich Private Banking dürfte das Geschäftsaufkommen angesichts der deutlich gestiegenen Unsicherheit kaum zunehmen.

KURSVERLUSTE BEI VERSICHERUNGEN IN GRENZEN

Besser als die Banken halten sich die Versicherer an den von hoher Volatilität geprägten Finanzmärkten. Zwar würden fallende Aktienkurse, steigende Spreads sowie die noch tieferen Zinsen auf die Erträge der Anlageseite belasten, heisst es im Kommentar der Bank Bernstein. Die Marktverwerfungen seien aber weniger stark als im Vorfeld befürchtet ausgefallen und die multinationalen Gesellschaften der Branche seien genügend gut mit Kapital ausgestattet, um die Einbussen bei den Anlagen aufzufangen.

Auch operativ seien sowohl die Zurich als auch Swiss Re weltweit gut diversifiziert aufgestellt, und somit dürfte das Geschäft nicht allzu stark unter einem konjunkturellen Abschwung in Grossbritannien leiden, heisst es im Bernstein-Kommentar weiter. Am stärksten betroffen sei die Zurich mit ihrem Exposure im britischen Lebensversicherungsmarkt und auch Swiss Re sei in diesem Bereich mit der Abwicklung von Versicherungsbeständen (Admin Re) tätig. Dies habe wohl die Kurse am vergangenen Freitag zusätzlich belastet, so Bernstein.

Während Bernstein die Einschätzungen für Zurich und Swiss Re nicht angepasst hat, senkte Exane BNP Paribas das Kursziel für Zurich-Aktien auf 250 von 255 CHF (Rating: "Neutral"). Für die Versicherungsbranche habe der Brexit weitreichende Folgen, schreiben die Analysten in einer Branchenstudie. Die direkten Auswirkungen belasteten zunächst die Gewinne und das Kapital. Dann würden die Unternehmen auf Umsatzseite durch ein schwächeres BIP belastet. Mit Blick auf Zurich ergänzen die Experten, dass der Versicherer etwa 10% seiner Umsätze in Grossbritannien generiere, aber in USD berichte.

mk/ys

(AWP)