Bauarbeiter in Genf weiten Streik auf zweiten Tag aus

(Meldung aktualisiert und vollständig umgeschrieben) - Verhärtete Fronten zwischen den Sozialpartnern im Baugewerbe: In Genf weiten Tausende Bauarbeiter ihren Streik auf einen zweiten Tag aus. An einer Versammlung haben sie beschlossen, ihren Protest mindestens bis zum (morgigen) Mittwoch weiterzuführen.
16.10.2018 17:20

Diese Entscheidung zeige die Wichtigkeit des Landesmantelvertrags und der Rente mit 60 für den Bau, sagte Alessandro Pelizzari, Regionalleiter der Gewerkschaft Unia Genf, zur Entscheidung. Für Mittwoch ist eine weitere Demonstration in der Innenstadt von Genf geplant.

Am Dienstagsvormittag waren rund 2500 Bauarbeiter dem Streikaufruf der Gewerkschaften Unia, Syna und SIT (Syndicat interprofessionnel des travailleurs) gefolgt. Sie gingen auf die Strasse, um gegen Lohndumping und für das Rentenalter 60 zu demonstrieren.

Sie setzten den nationalen Protest fort, den die Gewerkschaften am Vortag mit etwa 3000 Demonstranten im Tessin begonnen hatten. Weitere Aktionen sollen in anderen Regionen folgen.

Vertragsloser Zustand droht

Hintergrund des Streiks ist der per Ende Jahr auslaufende Landesmantelvertrag für das Bauhauptgewerbe (LMV). Der LMV ist der Gesamtarbeitsvertrag zwischen dem Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) und den Gewerkschaften Unia und Syna. Die Gewerkschaften fordern den Baumeisterverband auf, "an den Verhandlungstisch zurückzukehren und sich endlich lösungsbereit zu zeigen".

Der Protestzug startete um 7.15 Uhr in der Nähe des Bahnhofs Cornavin. An der Spitze trugen Demonstranten Banner mit den Slogans "Stoppt das Lohndumping!" und "Wir kämpfen für einen Gesamtarbeitsvertrag".

Während rund drei Stunden blockierten die Kundgebungsteilnehmer die Mont-Blanc-Brücke. Mehrere Redner ergriffen abwechselnd das Wort. "Unternehmer in Zürich greifen eure vorzeitige Rente und eure Arbeitsbedingungen an", sagte Unia-Regionalsekretär Pelizzari ins Mikrofon. Doch auch in Genf, wo sich die Chefs weigerten, am Verhandlungstisch zu diskutieren, verschlechtere sich die Situation gravierend.

"Heute drohen die Chefs in Genf damit, die Streikteilnehmer zu entlassen", fügte Thierry Horner von der Gewerkschaft SIT hinzu. Das Baugewerbe im Kanton Genf umfasst mehr als 1400 Unternehmen mit rund 12'000 Beschäftigten.

"Massive Verschlechterung"

Nico Lutz, Unia-Sektorleiter Bau, erinnerte daran, dass die Kundgebung mit 18'000 Bauarbeitern im Juni in Zürich es ermöglicht habe, nach neunmonatiger Blockade des LMV eine Teillösung zu finden.

Aber im Gegenzug für die Beibehaltung des Rentenalters 60 und eine Lohnerhöhung fordern die Arbeitgeber 300 flexible Arbeitsstunden, verglichen mit heute 100. Mit dem Vorschlag des Baumeisterverbandes müssten die Bauarbeiter von März bis Dezember immer Arbeitstage von bis zu 12 Stunden haben. "Diese Flexibilität ist ein Angriff auf die Gesundheit der Arbeitnehmer und eine massive Verschlechterung des LMV", kritisierte Lutz.

Weiter kritisierten die Gewerkschaften in Genf die Zunahme der Temporärarbeit auf Baustellen, die steigende Unsicherheit für ältere Arbeitnehmer und das verschärfte Lohndumping.

Signal an Baumeister

Protestaktionen finden noch bis zum 9. November, dem Datum der nächsten Verhandlungsrunde, landesweit statt. "Wir müssen ein klares Signal an die Bauunternehmer im ganzen Land setzen", sagte Guido Schluep, Leiter Bau bei der Syna. "Der Baumeisterverband muss endlich verstehen, dass sich die Bauarbeiter nicht erpressen lassen."

(AWP)