Belgische Behörden kannten Fipronil-Verdacht schon Anfang Juni

Die belgischen Behörden wussten schon Anfang Juni von einem Fipronil-Verdachtsfall auf einem Hühnerhof. "Ein belgisches Unternehmen hat uns gemeldet, dass es ein Problem mit Fipronil geben könnte", sagte Katrien Stragier, eine Sprecherin der belgischen Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK, am Samstag.
05.08.2017 18:16

Die Behörde habe entschieden, den Verdacht nicht öffentlich zu machen. "Das war, damit die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit machen konnte." Diese ermittle wegen Betrugs.

EU-weit gemeldet hatten die belgischen Behörden erste Fipronil-Fälle erst Wochen später am 20. Juli. Am 22. Juli wurde das Gift in den Niederlanden in Eiern von sieben Betrieben nachgewiesen. In den Tagen darauf folgten weitere Funde.

Stragier verteidigte die Entscheidung für die späte Weitergabe des Verdachts. Man habe zunächst Informationen über die Dimension des Problems sammeln müssen.

Die Verbreitung ist inzwischen gewaltig: Millionen mit Fipronil belastete Eier wurden in den vergangenen Tagen in mehreren europäischen Ländern aus dem Verkehr gezogen. Inzwischen gibt es zudem erste Rückrufe für Produkte mit verarbeiteten Eiern.

Auch in der Schweiz wurden Rückstände des Insektizids Fipronil gefunden. Kontaminierte Eier gelangten in den Handel: Die Migros nahm die entsprechenden M-Budget-Eier aus den Verkaufsregalen.

WIRKUNG NICHT GENAU ERFORSCHT

Fipronil ist ein unter anderem bei Hunden und Katzen erlaubtes Kontaktgift, das gegen Hautparasiten wie Läuse, Milben und Flöhe wirkt. Die Anwendung bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist in der EU verboten. In hohen Dosen kann Fipronil für Menschen gefährlich sein. Wie genau es wirkt, ist allerdings nicht bekannt.

In Experimenten mit Ratten schädigte der Stoff das Nervensystem und die Leber, hatte das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt. Vorerst gebe es aber keine Befunde mit einem möglicherweise gesundheitsschädlichen Gehalt an Fipronil pro Kilogramm Ei.

Das Insektengift war vor allem in den Niederlanden in Legehennenbetrieben eingesetzt worden. Die giftige Substanz gelangte nach derzeitigem Stand der Ermittlungen über das Reinigungsmittel Dega-16 in die Ställe. Mutmasslich hatte ein belgischer Hersteller Fipronil beigemischt.

(AWP)